TrackThis.Link HandsOn

Allgemein

Ich habe in der letzten EduMail von Nele Hirsch von der Webseite TrackThis.Link erfahren und war direkt begeistert. TrackThis möchte Menschen zeigen wie sich Werbung basierend auf dem bisherigen Surfverhalten verändert und hat dazu vier Profile (Hypebeast, Filthy Rich, Doomsday und Influencer) im Angebot. Die Webseite öffnet 100 themenbezogene Tabs und verändert so das Werbeprofil im Browser. Die Betrachter_innen sehen dann wie stark sich die angezeigte Werbung dem ausgewählten Profil angepasst hat. In der Schule könnten die Schüler_innen in einem kleinen Miniexperiment direkt erfahren, wie sich Werbung anpasst. Klingt super, oder?

Die technische Realität

Ich habe das ganze mal auf mehreren Geräten durchgespielt.

Auf dem Telefon geht die Webseite leider gar nicht, weil es tatsächlich einfach die meisten Geräte überfordern würde 100 Tabs gleichzeitig zu öffnen.

Leider ist auch mein Surface Pro 4 damit leicht überfordert. TrackThis empfiehlt nicht Firefox zu benutzen, weil der Browser einen zu gut schützen würde und man deshalb zu viele Mechanismen ausmachen müsse. Die Webseite wird übrigens von Firefox angeboten, weshalb man diese Aussage vielleicht nochmal kritisch mit den Schüler_innen besprechen sollte.

Ich habe TrackThis dann mit Chrome getestet, da wird man ja bekannter Weise nicht vor Trackern geschützt. Mein Surface hat fast 10 Minuten gebraucht bis alle 100 Tabs in Chrome geladen waren. (Im Internet Explorer ging es schneller, da waren es ~8 Minuten). Ich habe eine VDSL 100 Leitung bei mir zu Hause, an der Internetgeschwindigkeit lag es also nicht, sondern am PC. Aber gehen wir mal davon aus, dass die Schule bessere Rechner hat als ich, weil da Desktops stehen und keine Tablets. 😅 Die Ladezeit würde vermutlich immer noch bei 3-5 Minuten pro Gerät liegen. Zusätzlich haben wir in Schulen noch das Problem, dass das Internet bei 20-28 Schüler_innen wahrscheinlich zusammenbrechen würde. (Wäre es zumindest an allen meiner bisherigen Schulen.) Ich weiß auch nicht, ob der Content Filter der Schulen in meinem Kreis alle Seiten überhaupt zulassen würde.

Funktioniert aber die Seite an sich?

Alle technischen Probleme beiseite, dann funktioniert TrackThis wie versprochen. Ich bekomme mit dem Profil „Hypebeast“ tatsächlich auf einigen Seiten Schuhwerbung angezeigt, auch wenn sie nichts mit dem anderen Webseiteninhalt zu tun hat und nicht in mein normales Werbeprofil passt. Siehe zum Beispiel mein Technikblog der Wahl stadt-bremerhaven.de.

Der Spiegel allerdings ist in einem anderen Werbenetz  und zeigt weiter keine Hypebeast-Werbung an. Teil des Experiments für Schüler_innen muss dann also sein, dass man ein paar Seiten vorgibt, die sie mal besuchen müssen. Theoretisch kann es nämlich sein, dass die Schüler_innen nur auf Webseiten aktiv sind, die ihre Werbung über andere Werbenetze ausrollen oder die einfach länger brauchen um das (neue) Profil zu verwenden.

Die Werbung in Apps und Webseiten auf dem Telefon wird sich von diesem Experiment natürlich auch nicht direkt verändern, man muss also definitiv noch cross plattform targeting mal ansprechen und warum das jetzt hier noch nicht funktioniert hat. Das hat man aber damit ganz gut eingefangen, dass man das ja in der Regel an Schulcomputern durchführt.

Und jetzt?

Meine Empfehlung ist also auf jeden Fall, dass man sich vorher mal mit dem Content Filter der Schule und der Geschwindigkeit des Internets auseinandersetzt. Das ist kein Vorhaben, was man mal spontan als Medienbildung in einer Vertretungsstunde machen kann.

Alternativ bietet sich natürlich auch eine Hausaufgabe an, hier ist zumindest die Wartezeit kein Thema mehr und die Schüler_innen könnten auch länger mit dem Profil unterwegs sein und man würde durch das eigene Gerät vielleicht auch eine Veränderung der Werbung in Apps sehen.

Prinzipiell halte ich die Webseite insgesamt und trotz meiner kleinen technischen Schwarzmalerei für lohnend und empfehle einen Blick.

Der Autor

Ich leite den Laden hier.