Ein paar lose Gedanken zum eigenen Beamer

Bildung und Schule / Meinung

An meiner Ausbildungsschule hatte ich das Privileg in jedem Raum ein Smartboard zu haben. Nach dem Ende des Referendariats habe ich die Schule gewechselt und habe dieses Privileg nun nicht mehr. Seit einiger Zeit gehe ich mit der Idee schwanger mir einen Beamer zu kaufen. Das Problem ist, dass ein vernünftiger Beamer viel Geld kostet. Damit man den Beamer auch im Sommer und in generell hellen Räumen benutzen kann, sollte er 1500 Lumen Leistung bringen. Riesig sollte er nicht sein, weil ich ihn ja mit mir rumschleppen muss und am besten kann er Miracast, AirPlay und Chromecast out of the box.

Zack: Schon bewegt man sich im 700€ Preissegment.

Alternativ kann ich mir im Sekretariat meiner Schule jederzeit einen Beamer leihen. Eigentlich muss man sich natürlich einen Beamer zur Ausleihe reservieren, aber bisher war auch ohne Reservierung immer ein Beamer verfügbar. Um wirklich sicher zu sein einen Beamer zu bekommen, sollte aber trotzdem jedes Mal eine Reservierung vorgenommen werden und dann dementsprechend auch vorausgeplant werden. Spontan den Unterricht umzuplanen und sich auf den Beamer zu verlassen geht also nicht. Wirklich praktikabel finde ich das ständige Ausleihen nicht.

Wegen des Preises habe ich mich aber jetzt erstmal für einen Praxistest entschieden. Eine Woche lang habe ich im ganz normalen Schulalltag einen Beamer und eine Kabeltrommel mit mir rumgeschleppt. Hier möchte ich meine Erfahrungen mit euch teilen.

Anfangs stellte sich für mich eine grundlegende Frage:

Nehme ich den Beamer immer mit oder deponiere ich ihn irgendwo?

Eine Frage, die einfacher klingt als sie ist. Wenn ich den Beamer in zwei von 6 Stunden eingeplant habe, dann kann ich ihn entweder den ganzen Tag mit mir rumtragen oder ich lade ihn im Lehrerzimmer oder in der Sammlung ab und hole ihn mir in der Pause. Ich bin all in gegangen und hatte beide Geräte immer dabei. Der Alltag an einer Schule kann hektisch sein und ich weiß nicht immer, ob ich es in jeder Pause ins Lehrerzimmer schaffe oder nicht. Ich mag mich auch nicht stressen müssen, weil ich den Beamer im Lehrerzimmer liegen habe. Also: Den Beamer immer dabei.

Was bedeutet der Beamer für die Vorbereitung und in der Stunde?

Ein Beamer bedeutet sowohl in der Vorbereitung als auch in der Stunde eine Entlastung für mich. Zunächst muss ich keine Folien mehr kopieren und vor allem muss ich keine Folien zu Hause aufbewahren. Man kann, schon rein aus ökologischen Gründen, ja die Folien dann nicht nach einem Gebrauch wegwerfen, wenn man sie nochmal benutzen möchte. Gerade in Geschichte benutzt man Karikaturen öfter mal. Das Drucken, das Abheften und das Suchen von bereits gedruckten Folien fällt weg.

Auch in der Stunde gibt mir der Beamer Flexibilität. Ich kann spontan auch mal einen Teil der Stunde umwerfen, wenn es nicht wie geplant läuft. Zum Beispiel kann ich einfach ein anderes Bild, Karikatur oder Karte zeigen. Nochmal etwas zur Vertiefung eingeben. Ich habe die Unterlagen ja alle auf meinem Laptop dabei und nicht zu Hause in einem Ordner eingeheftet.

Für mich wird auch das classroom management einfacher, weil die Arbeitsaufträge bereits vorformuliert in meiner Präsentation sind. Ich muss sie nicht mehr an die Tafel schreiben und die Kleinen so lange in einer Phase der Arbeitslosigkeit lassen. Vor allem bei den Jüngeren ist das noch wichtig, in der Q2 vielleicht eher nicht mehr.

Es ist aber auch nicht alles Regenbogen und Einhörner. Ich muss nämlich den Beamer jedes Mal auf- und abbauen und anschließen und verbinden. Dazu muss ich meinen Laptop auspacken, die Kabeltrommel ausrollen, Strom und VGA Kabel an den Beamer packen und einen Adapter suchen. Mein Laptop hat nur noch einen Mini Display Port und keinen VGA Anschluss mehr. (HDMI haben Schulbeamer bei uns noch nicht.) Ich brauche also zusätzlich noch meinen Adapter, den ich unter keinen Umständen verlieren darf. All das steht dann auf meinem Lehrerpult oder irgendwo in der Pampa und wirft ein schiefes Bild an die Wand, an der in der Regel keine Projektionsfläche ist. Wenn ich wirklich schnell bin, dann ist das in 2-3 Minuten jeweils erledigt, meistens dauert es eher 5 Minuten. Das Abbauen ist weniger ein Problem, das mache ich in einer Arbeitsphase, wenn ich den Beamer nicht mehr brauche. Es sei denn, ich brauche ihn in der letzten Phase der Stunde, dann baue ich ihn in der Pause ab. Am Anfang der Stunde ist der Aufbau zeitlich das größte Problem, weil ich ja in der Regel den Einstieg und meine Orgafolien nur digital habe. Im Vergleich zu einem OVP ist das wesentlich zeitintensiver.

Steht das alles in einem Verhältnis zueinander? Lohnt sich der Aufwand wirklich?

Ich habe nur durch die pure Existenz eines Beamers in meinem Klassenzimmer noch keinen innovativen Unterricht durchgeführt. Ich plane den Unterricht mit einem Beamer aber anders und bin im Bereich Fragestellungen/-technik besser vorbereitet, was eine meiner großen Baustellen ist. Ich glaube also schon, dass mein Unterricht mit Beamer besser ist.
Das rumtragen hat mich nach zwei Tagen weniger gestört, als ich es vorher angenommen hatte. Das Auf- und Abbauen nervt aber ziemlich. Leider haben wir alte Beamer und kein WLAN in der Schule, ich konnte also nur die kabelgebundene Version testen. Ich glaube es würde mir Auf- und Abbau sehr erleichtern, wenn ich nur den Beamer mit Strom versorgen müsste und das ganze andere Gefummel nicht mehr bräuchte.

Ich denke ich werde mir einen Beamer zulegen, weil die Vorteile für mich die Nachteile überwiegen. Allerdings werde ich noch etwas sparen und hole mir einen Beamer, mit dem ich auf Dauer zufrieden bin. Immerhin werde ich das Ding fast täglich nutzen und mag nicht dauerhaft genervt sein. Bis dahin muss es der Schulbeamer machen.

Der Autor

Ich leite den Laden hier.