Zeitzeugen mit AR in den Klassensaal holen

Allgemein

Der WDR hat für iOS (ob sie für Android kommt weiß ich nicht) eine App veröffentlicht, die Zeitzeugen aus dem zweiten Weltkrieg mit der AR Technik in den Klassensaal oder das Wohnzimmer holt. Ich habe die App „WDR AR 1933-1945“ (Der Name rollt nur so von der Zunge. 🙄) heute im privaten Umfeld mal getestet und muss sagen, dass es eine sehr einnehmende Erfahrung ist. Natürlich weiß man, dass die Person nicht wirklich da ist, aber durch die bekannte Umgebung ist es eindrucksvoller als ein reines Video. Auf einen Teil der eingeblendeten Effekte hätte ich verzichten können und ein paar Bugs gibt es noch, aber für Geschichtslehrer ist das eine sehr coole App, die man mal ausprobieren sollte!

Mehr Infos und Bilder gibt es hier.

Runterladen kann man die App hier.

Der perfekte Lehrerlaptop

Meinung

Was macht einen guten Laptop für Lehrkräfte aus?

Mein wichtigstes Arbeitsgerät in der Schule ist mein Laptop. Alles, wirklich alles findet auf meinem Laptop statt. Ich bereite meinen Unterricht mit dem Laptop vor, meine Materialien sind digital, meine Notenverwaltung und Kalender sind auf dem Laptop, neuerdings scanne ich sogar meine Bücher und habe sie nur noch digital dabei. Außerdem verwende ich ihn als Gerät um meinen eigenen Beamer anzusteuern.

Lange Rede, kurzer Sinn:

Ich brauche einen sehr guten Laptop, weil das Arbeiten sonst wirklich keinen Spaß macht.

Aus dem Kollegium kenne ich die Diskussion rund um „den perfekten Laptop“ und mag hier und heute mal meine persönliche Empfehlung dazu abgeben und begründen warum ich diesen Laptop empfehle.

Ich benutze ein Surface Pro 4.

Ein guter Laptop für eine Lehrkraft muss für mich vier Kriterien erfüllen und zwar in dieser Reihenfolge.

  1. Gewicht
  2. Akkulaufzeit
  3. Speicher
  4. Funktionalität

Hä!? Aber was ist mit dem Preis?

Für mich spielt der Preis eine untergeordnete Rolle. Ich möchte den Laptop jeden Tag als mein Hauptarbeitsgerät benutzen und da darf er etwas mehr kosten. Qualität hat ihren Preis. Ich habe mir meinen jetzigen Laptop als Referendar im Angebot für 749€ gekauft und bereue es nicht. Ich verstehe, wenn Menschen sich Dinge aus verschiedenen Gründen nicht leisten können und es gibt wichtigere Dinge als einen Arbeitsrechner, aber wenn man sich danach umguckt, dann empfehle ich diesen hier. 

Gewicht

Eigentlich ein no brainer. Ich schleppe den Laptop jeden Tag mit mir rum und er darf deshalb nicht viel wiegen. Lehrertaschen sind ohnehin meistens zu schwer und für diejenigen Menschen, die nicht alles digital haben, ist das Gewicht ein noch größeres Argument.

Mein Surface Pro 4 wiegt mit dem m3 Prozessor 766 gr, dazu kommen nochmal ~300gr für die Tastatur und 20gr für den Surface Pen. Wir liegen also bei ~1,1kg mehr in der Tasche. Durch die geringe Bauhöhe merkt man das Gewicht, wenn man das Surface in der Hand hat, aber gar nicht und im Tabletmodus sowieso schon nicht. Wenn ich keinen Beamer brauche, dann laufe ich nur noch mit dem Surface unterm arm in den Klassensaal. Das ist ein sehr angenehmes Gefühl.

Akkulaufzeit

Das ist auch nach zwei Jahren Nutzungszeit direkt mein größter Kritikpunkt. Ich komme mit dem Surface Pro 4 gerade so über 6 Stunden Schule. Ich habe es aber natürlich auch mehr als die Hälfte der Stunde an und benutze es. Dennoch würde ich mir die versprochenen 9h wünschen, dann hätte ich das Netzteil nicht dabei und wäre wesentlich entspannter. (Gerade hänge ich nach einem 6h Tag am Netzteil, weil der Akku das nicht mehr mitmacht. Jetzt ist mein Gerät aber auch schon 2 Jahre und 2 Monate alt und ich habe ihn wirklich jeden Tag benutzt. Der Akku dürfte also langsam auch altersschwächer werden. Am Anfang war hat er länger gehalten.  

Speicher

Ich habe mir damals aus Geldgründen nur die kleine Speicherversion geholt und auch nur die mit 4GB Arbeitsspeicher (Ram). Letzteres bereue ich oft ein wenig, weil Windows doch eher mit 8GB Arbeitsspeichern gut läuft und nicht mit 4GB. Die 128 GB Festplatte sind aber tatsächlich kein Problem, weil das Surface noch einen MicroSD Kartenslot hat. Hier steckt nochmal eine SD mit 128GB. Dort lagere ich alle Daten aus, die ich nicht so oft brauche und deshalb die Lese- und Schreibgeschwindigkeit nicht so wichtig sind.

Nicht jeder Laptop hat aber einen SD Karten Slot, hier sollte man also aufpassen. Material wird ja auch in der Regel oft eher mehr als weniger und man will dann auch alles dabeihaben. 😅 Als Office 365 User muss man sich aber bei einer stabilen Internetverbindung keine Sorgen machen, weil Windows mittlerweile ja die online Inhalte von OneDrive im Explorer anzeigt und man es dann on the fly runterladen kann.

Funktionalität

Vor dem Kauf muss man sich natürlich überlegen was man will. Braucht man einen Touchscreen, will man macOS oder Windows, möchte man einen Laptop für Videoschnitt oder zum Spielen?

Das Surface Pro 4 ist kein rechenstarkes Arbeitstier, vor allem nicht mit dem m3 Prozessor, welcher eher auf Akkulaufzeit und Office ausgelegt ist und nicht auf Leistung. Es gibt natürlich auch i3 oder i5 Prozessoren, aber dann leidet die Akkulaufzeit und man hat einen Lüfter verbaut. Videos schneide ich mit dem Surface nur unter Protest und Spielen ist auch kein Thema. Leider!

Für mich spielt der Tabletmodus eine große Rolle. Einfach mal die Tastatur abnehmen, im Raum stehen und am Beamer das Tafelbild mit dem Tablet in der Hand erstellen. Wenn man eine drahtlose Verbindung hat, dann auch mal von hinten im Klassensaal. Ich laufe gerne durch den Raum. Der Surface Pen und der Tabletmodus erlauben es mir, mal eben Google Maps aufzumachen und einen Truppenverlauf in Syrien zu zeigen oder die Mauer in Berlin einzuzeichnen oder so Späße.

Dongletown

Leider ist im Surface Pro 4 nur ein MiniDisplay Port verbaut und kein HDMI, man braucht also immer einen Adapter. Da ich eh einen Beamer habe und der Adapter direkt am Kabel hängt ist das bei mir kein Problem. Zu Hause liegen aber für alle gängigen Steckerformate Adapter und warten auf ihren Einsatz. Nicht immer kann oder darf ich meinen eigenen Beamer verwenden, man muss also die Adapter doch oft dabei haben.

Was ist noch gut?

In der Schule ist das magnetische Ladekabel Gold wert, weil die Schüler meinen Laptop nicht mehr vom Tisch runterreißen können, wenn sie total erlaubter Weise durch mein Klassenzimmer laufen um den Spitzer auszuleeren… Mac User kennen und lieben das Prinzip, zumindest die mit alten Geräten. Auf der anderen Seite würde ich mir einen zusätzlichen USB-C Port wünschen, damit ich nur noch ein Ladegerät für alle Geräte haben muss.

Die Tastatur ist wirklich, wirklich gut und das Trackpad auch. Selten hat es mir so viel Spaß gemacht auf einer Tastatur zu tippen und leider hat sie mir billigere Tastaturen für immer versaut. Auch das kennen Mac User, zumindest die mit alten Geräten. 🙈

Das 4:3 Format erleichtert die produktive Arbeit immens. Man sieht einfach mehr vertikalen Text als bei einem 16:9 Bildschirm. Was bei Filmen und Serien nervt, ist beim Arbeiten suuuper praktisch.

Alternativen

Natürlich kann man sich immer einen Mac kaufen, wenn man Windows nicht mag. Mir persönlich würde nur einfach der Touchscreen fehlen, auch wenn das Betriebssystem stabiler, die Akkulaufzeit besser und der Wiederverkaufswert nach 5 Jahren kein Witz ist.

Ein iPad habe ich immer wieder ausprobiert und das funktioniert auch, aber für mich gibt es einfach zu viele nervige work arounds, weil Apple sich weigert ein Dateisystem einzubauen. Ich mache auf dem iPhone X ein paar Dinge und das funktioniert auch sehr gut, aber meistens bin ich am PC einfach schneller. Wobei man natürlich auf dem iPad die wesentlich bessere Kamera hat (Stichwort Selbstbau-Dokumentenkamera) und die Apps wesentlich besser und vielfältiger sind als Windows 10 Apps im Tabletmodus. Der Tabletmodus ist nämlich außer zum Zeichnen und Konsumieren eher ein Treppenwitz.

Im gleichen Formfaktor, ein Kollege hat es und ist zufrieden, gibt es noch das Acer Switch 2in1. Finde ich jetzt nicht ganz so schön und ich zweifle am Kickstand, weil er keine volle Fläche hat, aber ich wollte es nicht unerwähnt lassen.

Wenn man den Tabletmodus nicht braucht und immer eine Tastatur möchte, dann gibt es wirklich viele gute Alternativen im PC-Land.

Ich hoffe ich konnte einigen mit diesem Artikel bei der PC Suche helfen. 🙃

unsplash-logoMarius Masalar

Der Einsatz von KI in der Schule am Beispiel China

Allgemein

Im Deutschlandfunk ist ein Hintergrund zum Thema „Künstliche Intelligenz als Staatsziel“ gelaufen. Ein Teil des Berichtes ging über den Einsatz von KIs in Schulen. Es wird sehr schön der Dualismus zwischen Nutzen und Überwachung gezeigt. Die Schüler_innen brauchen zum Beispiel keine Mensakarte mehr, weil das System den Menschen am Automaten direkt per Gesicht erkennt. Die KI wertet auch das gegessene Schulessen aus und gibt Ernährungsempfehlungen.

Auf der anderen Seite werden die Schüler_innen aber auch im Unterricht gefilmt und bekommen sofort Rückmeldungen darüber, wenn sie dem Unterrichtsgeschehen nicht folgen. Vor allem die Schülerstimmen, die das als Form der Motivation empfinden, haben mich sehr erschreckt.

Hier kann man kurz vor dem Teil mit der Schule in den Hintergrund einsteigen, wenn der Rest nicht von Interesse ist. Ich empfehle es das Stück zu hören oder zu lesen.

unsplash-logoBernard Hermant

Augmented Reality im KZ Bergen-Belsen

App / Geschichte

Im Moment behandle ich mit meinen Zehnern das dritte Reich und die Shoa nimmt hier immer einen großen Teil der Reihe ein. Beim Durchsehen meines Materialfundus, bin ich wieder über dieses Video gestolpert, das den Einsatz von Tablets und AR im Geschichtsunterricht zeigt.

AR macht so viel Sinn in der Schule und in der Museumspädagogik.

  • Bei mir um die Ecke ist Lorsch, wo man das Kloster wieder zum Leben erwecken könnte.
  • In der Reichspogromnacht abgebrannte Synagogen könnten so wieder in der Stadt auferstehen.
  • Kaputte Burgen könnten wiederaufgebaut werden.
  • Antike Vasen und Staturen können in den Unterrichtsraum geholt werden.
  • etc.

Ich freue mich auf die Zukunft.

unsplash-logoMatthew Kwong

Früher Aufstehen!? – Meine Morgenroutine

Allgemein

Seit circa einem Jahr schreien mich diverse Menschen auf verschiedenen social media Kanälen an, dass ich weniger schlafen und früher aufstehen soll. Das ist natürlich schwachsinnig. Schlaf ist nachgewiesenermaßen wichtig für den Körper und die Leistungsfähigkeit. In meinem Beruf als Lehrkraft ist es außerdem nicht besonders sinnvoll um 4 Uhr aufzustehen. Ich muss mir nicht künstlich ungestörte Zeit schaffen, in der ich E-Mails beantworten kann oder meinen Unterricht vorbereite.

Was ich mir aber aktiv angewöhnt habe ist ein Glas Wasser nach dem Aufstehen und zwar sofort nach dem Aufstehen, noch bevor ich die Katzen füttere, mir einen Kaffee aufsetze oder das Smartphone zücke. Erst wird mein dehydrierter Körper mit Wasser versorgt. Ich komme so einfach besser in die Gänge.

Nachdem ich mir das angewöhnt hatte, habe ich den Kaffee auf später verschoben. Erst wache ich ganz auf, bevor ich mir Kaffee einflöße. Ich brühe ihn zwar schon direkt nach dem Aufstehen auf, aber mache mich dann erst ganz fertig, bevor ich ihn trinke. Meistens hat er dann auch genau Trinktemperatur erreicht. ☕

Nachdem ich angefangen habe meine Tasche abends zu packen, weswegen ich morgens nicht mehr in Panik Zeug zusammensuchen muss, und durch das Wasser und den späteren Kaffee morgens schneller wach und fit bin, ist mir aufgefallen, dass ich morgens Zeit für ein Frühstück habe. Dazu muss ich 10 Minuten früher als bisher aufstehen, aber dafür ist auf einmal Zeit, um mit dem Kleinen zu frühstücken und noch kurz in die Zeitung zu gucken und falls man mal WIRKLICH was vergessen hat, sich auch noch darum zu kümmern.

Ich gehe jetzt fitter und ausgeruhter in die Schule. Das ist nicht nur für mich, sondern auch für die Kollegen und die Schüler gut.

unsplash-logoYasuo Takeuchiunsplash-logofreestocks.org

QR Codes schnell im Browser generieren

Allgemein

Manchmal geht es im Leben nur darum, wie schnell man etwas tun kann. QR Codes habe ich bisher immer mit der Windows App Simple QRCode Creator erstellt.

Link kopieren ➡ App öffnen –> ➡ Link einfügen ➡ QR Code erstellen ➡ QR Code speichern und dann die Bilddatei einfügen.

Nachdem ich den Entwickler angehauen habe, hat er eine Kopieren-Funktion eingebaut und das Speichern viel weg, trotzdem sind das noch ein paar Schritte…

Dank @BirgitLachner benutze ich jetzt zum schnellen Erstellen von QR Codes nicht mehr meine Windows App, sondern ein kleines Browser Plugin namens Fast QR Code Generator. Das Plugin erzeugt mir mit einem Klick auf die Symbolleiste ein Bild, das ich direkt kopieren und einfügen kann.

unsplash-logoElena Loshina

Meine Meinung zum AfD Meldeportal

Allgemein

Einige AfD Landesverbände haben Meldeportale für unliebsame Lehrkräfte eingerichtet. Als Hamburg damit angefangen hat, dachte ich mir noch so 🙄, aber so langsam…

Ich möchte deshalb nur kurz für das Protokoll festhalten:

Unterricht im Fach Politik und Wirtschaft (Sozialkunde, Politik, you name it) unterliegt in Deutschland dem sogenannten Beutelsbacher Konsens und muss damit drei Kriterien genügen.

Es gilt das Überwältigungsverbot, sprich wir geben den Schüler_innen keine Meinung vor, sondern lehren sie sich eine eigene Meinung zu bilden.

Es wird schülerorientiert gearbeitet. Für die Themen aus den Curricula werden Anknüpfungspunkte im Leben der Schüler_innen gesucht. Meine Schüler sollen aktuelle Geschehnisse in der Gesellschaft und in der Politik verstehen und bewerten können.

Themen werden außerdem natürlich kontrovers diskutiert. Glücklicherweise habe ich verschiedene Menschen vor mir in der Klasse sitzen und wenn man über Wirtschaft spricht, dann sitzen da linke und liberale Menschen zusammen und im besten Fall streiten sie sich über Sachthemen und können ihren Standpunkt begründen.

Finde ich die Meinungen meiner Schüler immer gut? Natürlich nicht! Ich bin ein Mensch. Die Frage ist ja aber: Bewerte ich die Meinung meiner Schüler im Unterricht? Natürlich nicht! Ich bewerte ob sie das Problem verstanden haben und ob sie mir eine schlüssige Lösung anbieten können.

Das Beispiel aus dem Video zeigt die Inhalte des Beutelsbacher Konsens sehr deutlich. Die Schüler sollten eine Rede von Höcke mit Ansichten Hitlers vergleichen. Sowohl die Rede als auch die These ging tagelang durch die Medien, es war also hochgradig aktuell und es gab eine Kontroverse in der Gesellschaft. Die Lehrkraft hat Material mitgebracht und die Schüler mussten im Unterricht ein begründetes Urteil über diese These fällen.

Ein Verstoß gegen den Beutelsbacher Konsens hätte es nur dann gegeben, wenn die Lehrkraft sich hingestellt hätte und den Schülern einfach nur gesagt hätte, dass Höcke der Hitler des Jahres 2018 sei. Auch kritisch wäre, wenn man nur die AfD thematisiert, aber wenn man sich ein wenig mit den Thema Sozialstaat in den Schulbüchern beschäftigt ist das ein einziges SPD gebashe, weil die Hartz-Reformen nicht so gut wegkommen. Auch die FDP bekommt ihr Fett weg, wenn man über die Aussagekraft des Homo Oeconomicus spricht und die Grünen sind ganz vorne mit dabei wenn es um erneuerbare Energien und die Versorgungsprobleme geht.

Hier wird meiner Meinung nach leider auf Kosten der Lehrkräfte versucht eine politische Agenda zu fahren.

Material Chemnitz 2018

Allgemein

In den letzten Tagen passiert unglaubliches in Chemnitz. Neonazis stehen ganz offen auf deutschen Straßen und wir schauen zu. Ich werde das Thema im Unterricht behandeln und möchte hier eine erste kleine Sammlung an möglichem Material dazu bereitstellen. Gerne übernehme ich noch Dinge, schreibt mich einfach auf Twitter an. Ich bin dort @jens_kessler.

Audio

Der SZ Podcasz auf den Punkt thematisierte in der Sendung „Chemnitz im Ausnahmezustand“ das Thema und gibt einen guten und kurzen Überblick.

Die Lage der Nation hat in Folge 108 über Chemnitz gesprochen. (Mit weiterführenden Links)

Text

Staatsversagen? Warum Rechtsextremismus in Sachsen besonders gedeiht [Monitor vom 25.02.2016]

Stefan Niggemeier hat im Jahr 2017 über Rostock Lichterhagen geschrieben.

German government condemns right-wing rioters after protests surprise police, CNN berichtet über Chemnitz

In Chemnitz kämpfen nicht „Linke gegen Rechte“ – Sondern alle gemeinsam gegen Rechtsradikale.

Meine Kindheit in Chemnitz

Bürgerdialog in Chemnitz – Chemnitz zwischen Hass und Liebe

Der breitet sich aus. Syrer verpfügelt und ausländerfeindlich beschimpft.

Bild

Video

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer, CDU, zu den Ausschreitungen in Chemnitz

Tim Herden kommentiert die Reaktionen auf die Vorfälle in Chemnitz
tagesthemen 22:15 Uhr, 28.08.2018

The Vice spricht mit Geflüchteten und Migranten in Chemnitz.

Header:

Von Sandro Schmalfuß – Sandro Schmalfuß, CC BY-SA 4.0

Wo informiere ich mich über Politik?

Anleitung / Für Schüler / Politik

Es soll ja ganz fiese Lehrkräfte geben, die erwarten, dass man sich als Schüler_in mit Nachrichten auseinandersetzt. Vor allem in den höheren Klassenstufen profitiert man in den Geisteswissenschaften immens davon, wenn man schon eine gewisse Zeit Nachrichten konsumiert hat. Das hier soll eine kleine Liste für (meine) Schüler_innen sein, die ich natürlich von Zeit zu Zeit aktualisiere.

Wie kann ich mich am besten Informieren?

Am besten sucht man sich eine Nachrichtenquelle, die zu einem selbst passt. Welcher Medientyp ist man selbst? Liest man gerne, hört man gerne oder guckt man gerne Videos? Vielleicht ist es auch eine Mischung aus allen Bereichen. Hier findest du eine Auswahl an Möglichkeiten, wo man sich für die aktuellen 10 Minuten informieren kann.

Wieviel Zeit muss ich „opfern“? 😱

Keine Sorge, keine Lehrkraft erwartet, dass du den Helmut Schmidt machst und jeden Morgen alle relevanten Tageszeitungen liest. Mit 100 Sekunden kannst du schon dabei sein, aber auch das Abonnieren von Zeitungen und Radiosendern in sozialen Netzen kann dir dabei helfen auf dem neuesten Stand zu sein.

Instagram

Auch Zeitungen und andere Nachrichtenanbieter sind auf Instagram. Hier findest du eine kleine Auswahl. Bitte beachte das Mindestalter von Instagram.

Newsletter per WhatsApp und Mail

Die FAZ und die SZ bieten einen WhatsApp Newsletter an. Bitte beachte dabei, dass die Anbieter nach der Anmeldung deine Telefonnummer kennen und, dass WhatsApp ein Mindestalter hat.

Video

Text

Du liest gerne? Kein Problem!

  • Deutschlandfunk Nachrichten zum Nachlesen
  • Tages- und Wochenzeitungen haben in der Regel ein kostenloses Nachrichtenangebot auf deren Webseite.
    • Eine eigene Zusammenstellungen von Nachrichten kannst du per Feedreader selbst vornehmen.
  • Die Zeitung deiner Eltern.

Geheimtipp:

  • Der mobile ARD Videotext. Dieser lässt sich super schnell und einfach auf dem Mobiltelefon lesen und belastet auch kaum das Datenvolumen, weil nur Text auf der Webseite ist.

Audio

Neben den klassischen Radionachrichten kannst du auch Podcasts abonnieren. Unter iOS (ab iOS 7) und ab Android 8 (Oreo) gibt es vorinstallierte Podcastplayer. Ansonsten könnt ihr euch im PlayStore einfach AntennaPod installieren. Die App ist kostenfrei und open source.

Apps

Die meisten Zeitungen, TV-Sender oder Online Portale haben eine App. Einfach mal im Play Store / App Store gucken. Hier werden in der Regel alle Nutzungstypen angesprochen, weil mit Video, Text und Audio gearbeitet wird.

G. Crescoli

Motivation durch Projektarbeit – Ein Erfahrungsbericht

Bildung und Schule / Unterrichtsidee

Menschen lernen besser, wenn sie ein Thema interessiert. Dieses Interesse muss irgendwoher kommen. Entweder bringen es die Schüler_innen mit oder die Lehrkraft stellt es her. Oft wird versucht das Interesse über ein Problem herzustellen. Das Problem dabei ist die Logik der One problem fits all student-Mentalität. Es sind einfach nie alle Schüler von einem Problem so betroffen, dass es sie auch motiviert. Natürlich ist Plastikmüll und Umweltverschmutzung wichtig und betrifft alle Schüler_innen, aber sind deshalb alle gleich auch am Stoff interessiert? Eher nicht.

Im letzten Durchgang Wirtschaft in der 8. Klasse wollte ich deshalb einen anderen Ansatz fahren. Probleme im Bereich Wirtschaft zu finden ist kein Problem. Man kann hier sehr gut mit dem Gerechtigkeitssinn der Kleinen arbeiten oder viele Teilbereiche an einem großen Thema abarbeiten. Vieles ist hier möglich. Ich wollte diese Unterrichtsreihe aber komplett auflösen und die Schüler_innen selbstständig Thema und Problem finden und bearbeiten lassen. Dieser Ansatz nennt sich Schülerorientierung und ist eine andere Möglichkeit Interesse herzustellen. Es geht darum die Schüler_innen aktiv mit in die Planung und die Gestaltung des Unterrichts einzubeziehen und zwar nicht nur in der Form, dass die Schüler_innen die Probleme / Themen des Unterrichts mitgestalten, sondern in großem Maße eigenverantwortlich den Unterricht und damit den Lernprozess steuern.

Gelingen sollte mir das durch eine Art der Betriebssimulation.

Inhaltlich stehen in der 8. Klasse im Bereich Wirtschaft folgende Dinge im Schulcurriculum.

  • Marktformen
  • Preisbildung
  • Wirtschaftskreisläufe
  • Entscheidungsfindung von Unternehmen
  • Güterarten
  • Wettbewerb

Die Aufgabe der Schüler_innen war es sich in Gruppen zusammenzufinden und gemeinsam ein Produktkonzept zu entwickeln. Ein Konzept deshalb, weil ich natürlich nicht verlangt habe das Produkt auch zu bauen/schreiben/herzustellen. Es gab dabei nur die Vorgabe, dass das Produkt mit heutigen technischen Mitteln umsetzbar sein sollte. Als leitendes Gerüst wurde den Schüler_innen eine zeitliche Vorgabe gemacht und dieser Katalog an Beispielfragen mitgegeben.

  • Warum sollten die Kund_innen euer Produkt kaufen?
  • Was ist euer USP (Unique selling point)
  • Wie produziert ihr?
  • Wo produziert ihr?
  • Wie kommt euer Preis zustande?
  • Marktanalyse –> Wieviel Kund_innen könnt ihr erreichen? –> Wieviel könnt ihr also verkaufen
  • Wie sieht die Konkurrenz aus?
  • Was verkauft ihr für ein Gut/Dienstleistung?

Das ganze Vorhaben wurde als Projektarbeit realisiert, in der am Ende ein Gruppenbericht abgegeben und eine kurze Präsentation des Produktes gehalten werden sollte. Die Schüler_innen waren völlig frei in ihrer Zeiteinteilung und Aufgabenverteilung.

Damit die Schüler_innen sich die oben genannten Beispielfragen auch beantworten können, wurde bewusst auf BYOD gesetzt. Das war dann auch ein Leitkonstrukt für die Gruppenbildung, in jeder Gruppe musste ein digitales Endgerät zum Lesen und oder zum Recherchieren vorhanden sein. Neben der eigenen Recherchearbeit wurde in den einzelnen Stunden von mir eine Stationenarbeit zu den Themen des Schulcurriculums aufgestellt. Ich habe die Stationen thematisch auf fünf Hauptfragen eingedampft:

  1. Was ist ein Markt und wie funktioniert er?
  2. Wie kommen Preise zustande?
  3. Was für Güter gibt es?
  4. Welche ökonomischen Prinzipien gibt es?
  5. Was ist ein Wirtschaftskreislauf?

Die Stationen bestanden aus Texten, Statistiken und Grafiken aus meinen Schulbüchern und der BPB und bildeten den theoretischen Rahmen, den ich sonst im Unterricht erarbeitet hätte. Die Schüler_innen hatten also theoretischen Input durch die Stationen und die Möglichkeit bei Unklarheiten im Netz zu recherchieren und mit mir oder anderen Gruppen zu sprechen. Die Recherche zu ihren Produkten, vor allem die Marktanalyse musste natürlich zu Hause oder auf den mitgebrachten Geräten ablaufen. Ich habe nach besten Wissen und Gewissen geholfen, aber auch ich musste natürlich manchmal selbst nochmal Dinge nachgucken.

Zeit

In der 8. Klasse habe ich zwei Stunden die Woche. 16 Stunden hatte ich für die Projektphase und zwei Stunden hatte ich zum Präsentieren eingeplant. Pro Station hatte ich 45 Minuten veranschlagt (6 Stunden), 2 Stunden dachte ich dauert die Produktfindung und 10 Stunden Recherche und Schreiben des Berichts und der Präsentation. Ich habe also mit 2 Schulstunden HA über die ganze Projektphase gerechnet. Zu Beginn habe ich versucht sehr deutlich darauf hinzuweisen, dass am Ende nochmal viel Arbeit ansteht, wenn man nicht von Beginn an Sachen verschriftlicht.

Abgaben

Der Bericht sollte so gestaltet werden, dass die Beispielfragen darin als Fließtext beantwortet werden. Als kleine weitere Vorgabe wurde die Länge auf 4 Seiten beschränkt. Die Schüler_innen hatten also keine Mindestlänge, sondern mussten sich überlegen ob sie alles Wichtige bereits formuliert hatten. Im Bericht sollte im Prinzip das Produkt vorgestellt werden indem man die Beispielfragen beantwortet. Die Präsentation gab dann nochmal für mich die Chance Unklarheiten aus der Lektüre des Berichts zu beseitigen und letzte Nachfragen zu stellen.

Ziele

Neben meinem Ziel das ganze Wirtschaftsthema schülerorientierter zu machen und damit eine hoffentlich höhere Motivation für das Thema zu erzielen, habe ich natürlich auch ein paar kleinere Ziele mit dem Projektunterricht verfolgt. Zum einen wird die Sozialkompetenz durch Projektarbeit gestärkt, weil die Schüler_innen sich gemeinsam mit einem Thema beschäftigen müssen. Die Schüler_innen lernen ebenfalls sich die Zeit selbst einzuteilen und sich zu organisieren. Die feste Deadline am Ende und das ansonsten freie Gerüst bietet allen Arbeitstypen die Möglichkeit sich auszutoben. Auch lernen die Schüler_innen in solchen Konstellationen, dass es durchaus Sinn macht sich in Projektphasen thematisch oder arbeitsspezifisch zuzuordnen und nicht immer nur mit der besten Freundin zu arbeiten.

Bei regelmäßiger Projektarbeit, und das ist immer noch mein Ziel für den zukünftigen Unterricht, haben die Schüler_innen am Ende zumindest gelernt sich zu organisieren, zu einem Thema zu recherchieren und zusammenzuarbeiten. Wahrscheinlich ist das für ihr Leben später auch einfach wichtiger als einen erweiterten Wirtschaftskreislauf auswendig zu können.

Probleme

Leider bin ich direkt nach der Einführung ins Projekt spontan operiert worden und sechs Wochen ausgefallen.

Shit happens

Ich habe alles versucht um die Vertretungskräfte ins Bild zu setzen und die Schüler_innen weiterarbeiten zu lassen. Das ist leider in den meisten Klassen schiefgegangen. Die Hälfte der Stunden ist ungefähr weggefallen und ich musste dann am Ende noch Zeit dazugeben. Die Gruppen waren dann nach meiner Wiederkehr sehr unterschiedlich weit im Arbeitsprozess. Einige haben fleißig gearbeitet und viele haben aber auch die Frei- äh Vertretungsstunden anderweitig genutzt und waren sehr erstaunt, dass ich mit dem Projekt nahtlos weitergemacht habe.

Leider habe ich durch meine Krankheit den Beginn der Arbeitsphasen und das Austarieren der Gruppendynamiken und Arbeitsabläufe nicht mitbekommen. Hier wäre es sicher für beide Seiten gut gewesen anwesend zu sein.

Freundschaft > gemeinsames Produkt

Das mit der Motivation funktioniert natürlich nur, wenn sich die Schüler_innen auf ein gemeinsames Produkt einigen können, auf das auch alle bock haben. Man konnte deutlich sehen, dass die Gruppen wo man sich gemeinschaftlich auf ein Produkt geeinigt hatte, die wesentlich besseren Ergebnisse geliefert haben. In einer 8. Klasse kann man natürlich nicht erwarten in der ersten Projektarbeit direkt Freundschaftsstrukturen aufzubrechen. Diese Gruppen hätten vielleicht mit mehr Zeit und Beratungen noch ein „besseres“ Produkt für den Gruppenkonsens finden können. Durch meine Krankheit konnte ich hier leider nicht mehr helfen und ggfs. steuernd eingreifen. Wahrscheinlich gehört das aber auch zu den ersten Projektarbeiten dazu, dass man lernt sich die Gruppen besser auszusuchen.

Leitfragen vs. Beispielfragen

Ich hatte den Leitfragenkatalog Beispielfragen genannt, um zu signalisieren, dass man gerne auch andere Fragen einfließen lassen kann. In diesem Durchgang hat es aber eher dazu geführt, dass sich nicht über alle Fragen Gedanken gemacht wurden. Beim nächsten Mal werde ich sie Leitfragen nennen.

Pflichtstationen

Natürlich haben nicht alle Schüler_innen alle Stationen selbst gemacht. Ist das schlimm? Ich weiß es nicht. Dadurch, dass ich keine individuelle Leistungsabfrage durchgeführt habe, sondern das Gruppenergebnis bewertet habe, ist der Lernzuwachs von einzelnen Schüler_innen eine black box. Theoretisch müssten alle Mitglieder der Gruppe beim Entwickeln des Produktes den Inhalt der Stationen verinnerlicht haben, auch wenn sie sie nicht selbst gemacht haben. Ich bewege mich hier im Spannungsfeld zwischen Eigenverantwortung der Schüler_innen und meiner Verantwortung der Stoffvermittlung. Ich denke hierzu kann ich erst nach dem nächsten Durchgang mehr schreiben, wenn ich die Schüler_innen mehr beim Projekt beobachten konnte.

Cloud

Ich hatte alle Unterlagen und Stationsmaterialien in einem OneDrive Ordner liegen. Die Schüler_innen konnten immer und von überall auf die Unterlagen zugreifen. Leider wurde mir auf halber Strecke von der Schulleitung verboten Cloudspeicher außerhalb von Deutschland einzusetzen und ich musste alles sofort löschen. Die Schüler_innen hatten sich aber auf die Unterlagen verlassen und hatten keine offline Kopien gemacht. Das hat mich einige Zeit gekostet in der ich E-Mails beantworten musste und einige Gruppen haben dann einfach nicht mehr von zu Hause aus gearbeitet. Das war in der Phase des Berichtschreibens extrem ungünstig. Ohne LMS und ohne E-Mail-Kontaktmöglichkeit konnte ich den Schüler_innen auch nicht direkt bescheid sagen.

Fazit und Folgen

Bisher hatte ich immer mal wieder kurze Projektphasen im Unterricht und ich war sehr gespannt auf diese Unterrichtssequenz. Leider hat mir meine Krankheit einen Teil der Erfahrung genommen. Am Ende dieses Schuljahres muss ich mir die Frage stellen wie gut das Projekt gelaufen ist.
Fangen wir mit den „empirischen“ Befunden an. Der Bericht hat die Lernkontrolle ersetzt und hat deshalb 1/3 in die Endnote gezählt. Meine Lernkontrollen sind bisher im Schnitt ein wenig besser ausgefallen als die Projektarbeit. (Ich mache aber wohl auch einfache Lernkontrollen!?)

Ich habe die Betriebssimulation dieses Jahr in vier 8. Klassen durchgeführt. Lediglich eine Gruppe hat mir ihren Bericht nicht abgegeben. Ich weiß immer noch nicht genau warum. ¯\_(ツ)_/¯ In einer Gruppe lief die Erarbeitung nicht gut und das Endprodukt war dadurch für die Schüler_innen unerwartet schlecht („nur“ eine 3 – hier läuft aber auch gerade ein Widerspruch gegen meine Endnote). Die Verteilung der Noten liegt zwischen 1+ bis 4 (und eine 6 für den nicht abgegeben Bericht). Was sich aber verändert hat ist die Verteilung der Noten bei den Schüler_innen. Die Schüler_innen die sonst immer sehr gute Lernkontrollen geschrieben haben, haben nicht zwangsläufig einen guten Bericht abgegeben.
Kleinere Schwankungen zwischen den Schnitten verschiedener Jahrgangsstufen sind normal. Hier sehe ich also kein Problem. Was mir allerdings sehr gut gefällt ist die Ersatzleistung. Im Gegensatz zu einer normalen Lernkontrolle ist der Schwerpunkt hier deutlich weniger auf der Reproduktion, sondern auf den Gedanken zum Produkt und den Begründungen. Ich werde im nächsten Durchlauf allerdings die Formalia des Berichts und die Leitfragen deutlicher als Grundgerüst darstellen, ich denke hier habe ich zu hohe Anforderungen an die Kleinen gestellt. Auch werde ich das nächste Mal Tutorials erstellen oder verlinken wie man Dateien als pdf speichert und wie man kollaborativ in einem Etherpad arbeitet. Hier war ich einfach noch zu sehr von den Schüler_innen meiner Ausbildungsschule verwöhnt, die bereits wesentlich früher Medienkompetenz aufbauen.

In einer 8. Klasse werde ich das nächste Mal die Vorgaben auch direkt am Anfang schriftlich ausgeben und mich nicht auf die Selbstständigkeit der Schüler_innen verlassen sich das nochmal in der Cloud anzugucken. In diesem Durchgang habe ich die Vorgaben alle gesammelt in einer PPP gehabt und mit den Schüler_innen am Anfang des Projektes besprochen, dann aber nur noch digital zur Verfügung gestellt. Das hat bei einigen Schüler_innen zwar schon super geklappt, aber gerade die unselbstständigeren Schüler_innen muss man nicht gleich in allen Bereichen ins kalte Wasser werfen. Hier muss ich differenziertere Angebote machen.

Auch die Krankheit hat ihren Teil zu kleineren Problemen beigetragen. Einige Schüler_innen haben mit mir in regen Austausch per Mail gestanden, während andere Schüler_innen diese Hilfe gar nicht wahrgenommen haben. Das hat in diesem Fall meiner Meinung nach vor allem etwas mit der Schulkultur zu tun. Es ist einfach nicht üblich an der Schule mit Schüler_innen digital zu kommunizieren. Das kann ich natürlich innerhalb eines halben Jahres nicht so etablieren, dass die Schüler_innen das im Projekt dann auch nutzen. Ich habe meine Adresse am Anfang ausgegeben, hatte aber nur die Adressen der Schüler_innen, die sich bei mir gemeldet hatten.

Eine methodische Kleinigkeit wollte ich zu Beginn des Projektes noch mit reinnehmen und habe es dann aber gelassen, weil ich die Kleinen nicht überfordern wollte. Man hätte die Schüler_innen ihren Fortschritt mit Hilfe agiler Projektmethoden wie einem Kanban Board und kleinen Zwischenpräsentationen teilen lassen können. Ich habe diese Methode letztes Jahr genutzt und gemerkt, dass das mit Schüler_innen eingeübt werden muss, damit sie sinnvoll wird. Die Zeit wollte ich diesmal nicht opfern, zumindest nicht in der allerersten Projektarbeit. Die digitalen Möglichkeiten an der Schule waren dazu auch unzureichend. Ein analoges Kanban Board als Ausweg wäre natürlich machbar gewesen, bringt aber seine eigenen Probleme mit sich. Man müsste zum Beispiel die Plakate immer im Klassensaal aufbewahren und die Post-It dürfen nicht verloren gehen usw.. Der Hauptgrund ist aber meine Angst der methodischen Überforderung gewesen. Solche Methoden müssen Schritt für Schritt eingeführt werden und nicht alle auf einmal.

Wie war es für mich?

Für mich war die Zeit sehr spannend. Ich habe extrem viel über verschiedene Wirtschaftsbereiche gelernt und habe sehr davon profitiert, dass ich sicher und schnell Informationen im Netz finden kann. Ohne die Möglichkeit zum Beispiel schnell im Internet nachzuschauen wieviel Kunden McDonalds jedes Jahr in einem Land hat und davon abzuleiten wieviel Verpackungen wahrscheinlich gebraucht werden, wäre das Projekt so nicht möglich gewesen.

Es war auf jedenfall in den Unterrichtssituationen sehr anstrengend. Es ist schwierig die richtige Balance aus Anleitung und laufen lassen zu finden. Vor allem am Anfang haben auch alle Gruppen noch sehr viele Fragen und man müsste sich eigentlich als Lehrkraft zerreißen. Hier muss man eine ganz andere Rolle als im klassischen Unterricht einnehmen.

Ich werde das auf jeden Fall wieder machen, wenn auch mit den beschriebenen Änderungen.

Was sagen die Schüler_innen zur Projektarbeit?

Die Mehrheit der Schüler_innen fand das Projekt gut. Besonders das Entwickeln des eigenen Produkts fanden viele Schüler_innen sehr cool. Zumindest haben sie das in der anonymen Auswertung meines Unterrichts geschrieben. 🙈 Einige Gruppenmitglieder waren mit der Arbeit der Mitschüler_innen nicht zufrieden und es gab in zwei Gruppen diskussionsbedarf wegen der Gruppennote.

Auch habe Ich die Schüler_innern nachhaltig mit der Forderung eines Berichtes „bis zu vier Seiten länge“ verwirrt. Sich selbst zu überlegen ob man alles Wichtige geschrieben hat, war für sie eine Herausforderung. Tatsächlich ist kein Bericht länger als drei Seiten geworden.

Die Projekte der Schüler_innen waren extrem vielfältig. Wir hatten in diesem Durchgang Handyhüllen, digitale Schulbücher, smarte Kühlschränke, Klamotten, eine Fluglinie, einen Stift mit eigebauten Wortzähler, ein smart home für Menschen mit handy cap etc….

Überraschung

Die allermeisten Gruppen haben bei ihrem Produkt wert auf Umweltschutz und faire Löhne gelegt und das als Verkaufsargument gesehen. Vielleicht ist die Welt doch noch nicht verloren!?

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