Gedankenexperiment über die Bedeutung von Social Media

Unterrichtsidee

Ich bin auf ein Gedankenexperiment des Youtubers Anthony Ongaro gestoßen, welches sich perfekt eignet, um mit Schüler_innen über die Bedeutung von Social Media in ihrem Leben zu sprechen.
Das Experiment ist ganz simpel. Die Schüler_innen sollen über ihren perfekten Tag nachdenken und seinen Ablauf aufschreiben.

 Die Aufgabe kann je nach Klassenstufe und Ziel natürlich noch weiter eingegrenzt oder mit Leitfragen gesteuert werden.

Die Schüler_innen könnten ihre perfekten Tage dann kurz vor dem Plenum vorstellen oder man gibt direkt eine Statistik aus einer Mediennutzungstudie (Jim, Kim, ARD/ZDF-Langzeitstudie Massenkommunikation o.ä.) als weiteren Input.

Die Idee dahinter ist, dass die meisten wahrscheinlich nicht „2h auf Instagram verbringen“ aufschreiben werden und man so die persönlichen Gründe von Social Media-Nutzung diskutieren kann, obwohl Social Media ja eigentlich nicht wichtig genug ist um auf dem Plan aufzutauchen. Man kann auch auf die Mechanismen zu sprechen kommen, wie Apps Menschen dazu bringen sie immer wieder zu öffnen. Die Möglichkeiten sind vielfältig.

unsplash-logoJonathan Hoxmark

Podcastempfehlung: Intensivstation Schule

Bildung und Schule / Podcast

Jens Schellhass hat sich mit Mitte 50 nochmal ein Jahr lang das System Schule in Bremen angeguckt. Dabei geht er auf “Brennpunktschulen” und auf Pubertät ein und erzählt die Geschichten von einigen Schülern.

Er erzählt selbst, wie er eigentlich mit diesem Beitrag den Weg weisen und die WahrheitTM erzählen wollte und nun dasteht, der arme Tor.

Am eindringlichsten ist mir das Zitat vom Kriminologen Christian Pfeifer im Kopf geblieben.

Wir haben die friedlichsten Schulen, seit wir über diese Daten verfügen. (Kriminologe Christian Pfeifer)

Als Lehrkraft erfährt man nichts grundlegend Neues, aber das Feature ist gut gemacht und man fühlt sich mit den Protagonisten verbunden.


Wie die ARD ihr Feature beschreibt.

Schule ist ein Spiegel der Gesellschaft. Sie ist die Wiege unserer volkswirtschaftlichen Zukunft und die Fabrik, die Bildung vermitteln und leistungsstarken Nachwuchs hervorbringen soll.

Doch das Schulsystem krankt. Die zunehmenden sozialen Unterschiede innerhalb unserer Gesellschaft sind in den Klassenräumen angekommen. Armut, Migration, Aggression und familiäre Vernachlässigung halten Einzug in den Schulalltag. Lehrer und Schüler werden gleichermaßen zu Opfern des Systems. Hier Lehrer, die bei allem Engagement an ihre Leistungsgrenzen stoßen – dort Schüler, deren individuelle Begabung systembedingt verkümmern muss, weil es an Förderung und Beachtung fehlt.

Drei Jahrzehnte nach Ende der eigenen Schulzeit hat sich der Autor noch einmal auf die Schulbank gesetzt. Für ein knappes Jahr. Um Einblick zu erhalten hinter die Kulissen eines verstörenden Schulbetriebs.

Hier gibt es das Feature.

Konstantin Dyadyun

Zitate mit Typorama schöner visualisieren

Anleitung

Zitate sind ein schöner Weg eine Stunde oder eine Reihe zu eröffnen. Sie ermöglichen es Ohne großen Aufwand verschiedene Strategien zu verfolgen. Zum Beispiel kann man die Schülerinnen durch ein verstörendes oder beleidigendes Zitat aufregen, die Bedeutung von Aussagen in einen vorher erarbeiteten Kontext stellen, Schlagwörter zum späteren andocken liefern, die Frage der Stunde aufwerfen etc..

Natürlich kann man Zitate einfach schnell an die Tafel schreiben oder auf eine Folie klatschen, ich finde aber, dass durch eine visuelle Unterstützung noch mehr aus einem Zitat geholt werden kann. Man muss allerdings aufpassen, dass man durch die visuelle Unterstützung nicht zu sehr in die Bedeutung des Zitats eingreift. Vor allem in jungen Altersstufen kann das Bild aber bei der Analyse unterstützen.

Mit Power Point / Keynote kann man zwar hübsche Folien zaubern, wenn man aber einen Schritt weitergehen möchte, dann sollte man sich Typorama mal angucken. Mögliche Ergebnisse sehen so aus:

Das sind jetzt Bilder sowohl aus meinem Blog als auch aus meiner Unterrichtspraxis.

Typorama ist eigentlich dazu gemacht „enganging“ Bilder für soziale Netze zu bauen, aber warum nicht auf für den Unterricht einsetzen. Die App ist auf iOS sowohl für das iPhone als auch für das iPad verfügbar und denkbar einfach zu bedienen.

Zuerst sucht man sich ein Bild aus. Entweder nimmt man etwas aus dem eigenen Fundus oder man bedient sich per Schlagwortsuche bei Pixaby und Unsplash. Mit Pixaby und Unsplash muss man sich auch um Rechte keine Sorgen machen. Die Bilder sind alle frei.

Anschließend kopiert man zum Beispiel das Zitat in das Textfeld und sucht sich eine Schriftart aus. Noch schnell den Text in Größe und Position anpassen und Zack, man ist fertig.

Am Ende nicht vergessen das Bild zu speichern. 😉

Wie gehe ich mit der Impulsflut im Netz um?

Anleitung / Automatisierung

Bei all den Informationen im Netz und vor allem auf sozialen Netzwerken ist manch eine/r überfordert. Die Bildungspunks haben deshalb in ihrer aktuellen Blogparade das Bewältigen dieser Informationsflut als Thema gesetzt. Meine Methode ist eigentlich ganz einfach. Ich benutze Pocket und Things für die meisten Anwendungsfälle.

Pocket

Der Dienst Pocket hieß früher mal ReadItLater, was den Dienst sehr gut beschreibt. Pocket ist als Webseite und als App verfügbar und man kann in Pocket Links speichern. Anders als ein Lesezeichendienst speichert Pocket den reinen Text des Artikels. Ich muss also, nach der Synchronisation, nicht mehr online sein oder die Webseite besuchen, um einen Artikel zu lesen. Man übergibt quasi den Inhalt des Links an Pocket. Das funktioniert in 80% der Fälle sehr gut, in den anderen 20% muss ich dann in Pocket einfach die normale Webseite aufmachen. Nicht jede Seite findet es gut, dass man die Werbung und das Tracking so umgeht und auch Paywalls verhindern eine Volltextkopie. Video und Audio lassen sich natürlich nur als Link speichern, da gibt es keine Offlinekopie.

Sobald ich einen Link in einem Sozialen Netz oder einem Newsletter finde, schicke ich ihn an Pocket. Das bedeutet für mich, dass ich mich in diesem Moment nicht mit dem Inhalt auseinandersetzen muss. Stattdessen kann ich mich auf die Situation jetzt konzentrieren und jederzeit später wieder zu diesem Text zurückkehren.

Ich habe bei Pocket ein Jahresabo von 40€ und bekomme dafür ein ewiges Volltextarchiv aller meiner gespeicherten Texte und Links. Das ist extrem praktisch, wenn ich zum Beispiel einen Text zum Thema x in PoWi brauche, dann kann ich zuerst in Pocket gucken, ob ich dazu nicht schonmal was Gutes gelesen habe.

Wenn man möchte, dann kann man noch zusätzlich mit Tags arbeiten, Highlights setzen (Noch im Beta Programm) oder Artikel teilen.

Pocket ist übrigens auch mein RSS-Reader.

Things

Alles andere landet in einer App namens Things 3. Things ist mein ToDo-Manager und dort kippe ich alle Unterrichts- und Projektideen rein. Wenn es einen Artikel dazu gibt, dann ist der in dem ToDo verlinkt. Zuerst landet erstmal alles ungeordnet im Eingang und wird dann, wenn mal Zeit ist, in die entsprechenden Ordner verschoben.

Immer wenn ich nach einem neuen Buch suche, gucke ich zuerst in den Ordner „To Read“, das selbe gilt für Filme, Hörbücher etc.. Es gibt einen Schulordner, in diesem sammele ich alle Ideen und Anstöße. In der Regel setze ich ein zufälliges Erinnerungsdatum, damit ich die Idee irgendwann nochmal vorgesetzt bekomme. Ansonsten gucke ich mehr oder minder regelmäßig in den Ordner, wenn ich ein Problem habe oder eine Idee brauche. Das ist mein Ort für Inspiration.

Ansonsten kann ich nur sagen, dass ein Entschlacken immer hilft. Man kann nicht alles aufnehmen und umsetzen. Manchmal finde ich es ganz entspannend einfach nicht alles zu lesen und auszuprobieren. Mein Tag hat auch nur 24h und ich schlafe eh schon zu wenig.

 

 

Nieder mit dem neumodischen Scheiß – weg mit der Kreidetafel

Glosse

Ich muss hier und heute meinen Frust loswerden. In Fachkonferenzen und auf dem Marktplatz sprechen immer mehr Kollegen über ihr Bedürfnis eine Kreidetafel in Klassensäle zu hängen.

Ich mag das nicht. Mein Unterricht ist auch ohne Tafel sehr gut. Deshalb hänge ich diesen Brandbrief auf.

Tafeln möchte ich nicht einsetzen, weil

  • wenn die Kreide leer ist, kann ich keinen Unterricht mehr machen.
  • wenn der Schwamm weg ist, ist die Tafel unbenutzbar.
  • Kreidestaub Krebs verursacht!
  • Schüler lernen besser durch Zuhören, als durch Abschreiben.
  • das aristokratische Gespräch keine Tafel braucht.
  • Tafeln von der Wand fallen können!
  • es keinen Platz mehr für meine Karten gibt, wenn eine Tafel an der Wand hängt.
  • es den Augen von Kindern nicht gut tut, wenn sie die ganze Zeit auf die Tafel starren.
  • die Schüler ganz hinten nicht lesen können, was auf der Tafel steht.
  • Schüler mit einer rot/grün Schwäche nichts auf der Tafel lesen können.
  • wir das Geld lieber sinnvoller verwenden sollten. Zum Beispiel könnte man Schulen damit renovieren.
  • Tafeln das Denkvermögen und das Gedächtnis von Schülern zerstören.

Deshalb folgt meiner Forderung und lasst uns nicht jeden neumodischen scheiß mitmachen!

Update 17.05.18
Das ist eine Glosse. Sie nimmt die Argumente aus der Smartboarddebatte und wendet sie auf die Kreidetafel an.

unsplash-logoRoman Mager

Ein paar lose Gedanken zum eigenen Beamer

Bildung und Schule / Meinung

An meiner Ausbildungsschule hatte ich das Privileg in jedem Raum ein Smartboard zu haben. Nach dem Ende des Referendariats habe ich die Schule gewechselt und habe dieses Privileg nun nicht mehr. Seit einiger Zeit gehe ich mit der Idee schwanger mir einen Beamer zu kaufen. Das Problem ist, dass ein vernünftiger Beamer viel Geld kostet. Damit man den Beamer auch im Sommer und in generell hellen Räumen benutzen kann, sollte er 1500 Lumen Leistung bringen. Riesig sollte er nicht sein, weil ich ihn ja mit mir rumschleppen muss und am besten kann er Miracast, AirPlay und Chromecast out of the box.

Zack: Schon bewegt man sich im 700€ Preissegment.

Alternativ kann ich mir im Sekretariat meiner Schule jederzeit einen Beamer leihen. Eigentlich muss man sich natürlich einen Beamer zur Ausleihe reservieren, aber bisher war auch ohne Reservierung immer ein Beamer verfügbar. Um wirklich sicher zu sein einen Beamer zu bekommen, sollte aber trotzdem jedes Mal eine Reservierung vorgenommen werden und dann dementsprechend auch vorausgeplant werden. Spontan den Unterricht umzuplanen und sich auf den Beamer zu verlassen geht also nicht. Wirklich praktikabel finde ich das ständige Ausleihen nicht.

Wegen des Preises habe ich mich aber jetzt erstmal für einen Praxistest entschieden. Eine Woche lang habe ich im ganz normalen Schulalltag einen Beamer und eine Kabeltrommel mit mir rumgeschleppt. Hier möchte ich meine Erfahrungen mit euch teilen.

Anfangs stellte sich für mich eine grundlegende Frage:

Nehme ich den Beamer immer mit oder deponiere ich ihn irgendwo?

Eine Frage, die einfacher klingt als sie ist. Wenn ich den Beamer in zwei von 6 Stunden eingeplant habe, dann kann ich ihn entweder den ganzen Tag mit mir rumtragen oder ich lade ihn im Lehrerzimmer oder in der Sammlung ab und hole ihn mir in der Pause. Ich bin all in gegangen und hatte beide Geräte immer dabei. Der Alltag an einer Schule kann hektisch sein und ich weiß nicht immer, ob ich es in jeder Pause ins Lehrerzimmer schaffe oder nicht. Ich mag mich auch nicht stressen müssen, weil ich den Beamer im Lehrerzimmer liegen habe. Also: Den Beamer immer dabei.

Was bedeutet der Beamer für die Vorbereitung und in der Stunde?

Ein Beamer bedeutet sowohl in der Vorbereitung als auch in der Stunde eine Entlastung für mich. Zunächst muss ich keine Folien mehr kopieren und vor allem muss ich keine Folien zu Hause aufbewahren. Man kann, schon rein aus ökologischen Gründen, ja die Folien dann nicht nach einem Gebrauch wegwerfen, wenn man sie nochmal benutzen möchte. Gerade in Geschichte benutzt man Karikaturen öfter mal. Das Drucken, das Abheften und das Suchen von bereits gedruckten Folien fällt weg.

Auch in der Stunde gibt mir der Beamer Flexibilität. Ich kann spontan auch mal einen Teil der Stunde umwerfen, wenn es nicht wie geplant läuft. Zum Beispiel kann ich einfach ein anderes Bild, Karikatur oder Karte zeigen. Nochmal etwas zur Vertiefung eingeben. Ich habe die Unterlagen ja alle auf meinem Laptop dabei und nicht zu Hause in einem Ordner eingeheftet.

Für mich wird auch das classroom management einfacher, weil die Arbeitsaufträge bereits vorformuliert in meiner Präsentation sind. Ich muss sie nicht mehr an die Tafel schreiben und die Kleinen so lange in einer Phase der Arbeitslosigkeit lassen. Vor allem bei den Jüngeren ist das noch wichtig, in der Q2 vielleicht eher nicht mehr.

Es ist aber auch nicht alles Regenbogen und Einhörner. Ich muss nämlich den Beamer jedes Mal auf- und abbauen und anschließen und verbinden. Dazu muss ich meinen Laptop auspacken, die Kabeltrommel ausrollen, Strom und VGA Kabel an den Beamer packen und einen Adapter suchen. Mein Laptop hat nur noch einen Mini Display Port und keinen VGA Anschluss mehr. (HDMI haben Schulbeamer bei uns noch nicht.) Ich brauche also zusätzlich noch meinen Adapter, den ich unter keinen Umständen verlieren darf. All das steht dann auf meinem Lehrerpult oder irgendwo in der Pampa und wirft ein schiefes Bild an die Wand, an der in der Regel keine Projektionsfläche ist. Wenn ich wirklich schnell bin, dann ist das in 2-3 Minuten jeweils erledigt, meistens dauert es eher 5 Minuten. Das Abbauen ist weniger ein Problem, das mache ich in einer Arbeitsphase, wenn ich den Beamer nicht mehr brauche. Es sei denn, ich brauche ihn in der letzten Phase der Stunde, dann baue ich ihn in der Pause ab. Am Anfang der Stunde ist der Aufbau zeitlich das größte Problem, weil ich ja in der Regel den Einstieg und meine Orgafolien nur digital habe. Im Vergleich zu einem OVP ist das wesentlich zeitintensiver.

Steht das alles in einem Verhältnis zueinander? Lohnt sich der Aufwand wirklich?

Ich habe nur durch die pure Existenz eines Beamers in meinem Klassenzimmer noch keinen innovativen Unterricht durchgeführt. Ich plane den Unterricht mit einem Beamer aber anders und bin im Bereich Fragestellungen/-technik besser vorbereitet, was eine meiner großen Baustellen ist. Ich glaube also schon, dass mein Unterricht mit Beamer besser ist.
Das rumtragen hat mich nach zwei Tagen weniger gestört, als ich es vorher angenommen hatte. Das Auf- und Abbauen nervt aber ziemlich. Leider haben wir alte Beamer und kein WLAN in der Schule, ich konnte also nur die kabelgebundene Version testen. Ich glaube es würde mir Auf- und Abbau sehr erleichtern, wenn ich nur den Beamer mit Strom versorgen müsste und das ganze andere Gefummel nicht mehr bräuchte.

Ich denke ich werde mir einen Beamer zulegen, weil die Vorteile für mich die Nachteile überwiegen. Allerdings werde ich noch etwas sparen und hole mir einen Beamer, mit dem ich auf Dauer zufrieden bin. Immerhin werde ich das Ding fast täglich nutzen und mag nicht dauerhaft genervt sein. Bis dahin muss es der Schulbeamer machen.

Englische Kurzgeschichten als Podcast im Unterricht

Podcast / Unterrichtsidee

Heute habe ich einen kleinen Tipp für die Englischlehrkräfte unter euch. LeVar Burton, einige werden ihn sicher noch als Geordi La Forge aus Star Trek – Next Generation kennen, vertont in seinem Podcast LeVar Burton Reads seine liebsten Kurzgeschichten. Alle drehen sich irgendwie im Gesellschaft, Zukunft, Utopien und Science-Fiction. Burton liest sehr deutlich und angenehm und er ist mit ganzer Sache dabei. Man merkt richtig, wie sehr ihm die Geschichten selbst gefallen.

Ich könnte mir gut vorstellen, dass man die 25-45-minütigen Episoden als Art Listening einsetzen könnte oder Folgen thematisch einsetzen kann. In der letzten Folge (Folge 24) geht es zum Beispiel unter anderem um Rasse. In Folge 23 geht es um jemanden, der Gottes Mantel findet und was das für Folgen hat.

Der Podcast ist kostenlos, man muss aber mit Werbung am Anfang und in der Mitte leben. Jede Woche gibt es eine neue Episode. Ich freue mich immer sehr darauf und tauche meist noch am selben Tag in eine Geschichte ein.

Hier findest du LeVar Burton Reads auf iTunes.

❤️

Das Smartphone zu benutzen ist eher hypersozial als antisozial

Allgemein

Ein Grund gegen Smartphones in der Schule, den man immer mal wieder im Kollegenkreis hört, ist das vermeintliche Abschneiden der Nutzer_innen von der Außenwelt. Das Smartphone zu benutzen gilt als ein Weg sich selbst aus einem sozialen Kontext zu nehmen. Nach einer Studie von Professor Samuel Veissière ist die Kausalkette aber vielleicht genau umgekehrt. Das Smartphone wird gezückt, weil man sich nach mehr sozialen Kontakten sehnt.

„Professor Veissière, a cognitive anthropologist who studies the evolution of cognition and culture, explains that the desire to watch and monitor others—but also to be seen and monitored by others—runs deep in our evolutionary past. Humans evolved to be a uniquely social species and require constant input from others to seek a guide for culturally appropriate behavior. This is also a way for them to find meaning, goals, and a sense of identity.“

Mehr zur Studie findet man hier.

unsplash-logoNordWood Themes

Mein schönster Moment im Referendariat

Bildung und Schule

Wir Referendare haben einen eigenen großen Tisch im Lehrerzimmer. Abgrenzend und teambildend, so kann man diesen Tisch betrachten. Ich mag ihn. Er ist meistens unaufgeräumt, aber er ist für mich der Ort alles Guten im Referendariat. Hier treffe ich meine Leidensgenossen, kann lästern, lernen und loben.

An diesem Tisch habe ich das allererste Mal im Referendariat erkannt, dass ich bereits viel gelernt habe. Es war ein sonniger Freitagvormittag, okay ich habe keine Ahnung mehr wie das Wetter war oder welcher Tag es war ;] ) und ich saß mit zwei Kolleg_innen zusammen am Tisch. Eine der Kolleg_innen war wegen des anstehenden Unterrichtsbesuchs verzweifelt und fragte, ob sie uns beiden die Planung vorstellen könnte. Ich, nur 9 Monate weiter im Referendariat, fühlte mich überhaupt nicht qualifiziert irgendetwas zu einem Entwurf in einem anderen Fach zu sagen. Immerhin lief mein eigenes Referendariat zu diesem Zeitpunkt alles andere als gut. Trotzdem, die Kollegin und ich haben uns die Planung angehört und haben unseren Senf dazugegeben.

Es gibt so Momente, da läuft es einfach. Die Kollegin und ich konnten uns die Kommentarbälle einfach so zuspielen und wir hatten wirklich konstruktive Kritik und Verbesserungsvorschläge. Ich, der Referendar, der wirklich Angst vor dem nächsten UB hatte und um seine Zukunft bangte, konnte einer Neuling helfen. Bei all den durchschnittlichen Noten und deprimierenden Erlebnissen im Unterricht: Ich hatte trotzdem viel gelernt.

An diesem Tag bin ich glücklich nach Hause gegangen und die Kollegin ist mit viel positivem Input in die weitere Planung gegangen.

Ich erinnere mich gerne an diesen Moment. Es war nicht alles schlecht im Referendariat.

 

P.S.

Ihr UB lief übrigens sehr gut. 😍

P.P.S.

Dieser Beitrag ist Teil der Blogparade #refisbelike von @blume_bob

Wenigstens haben wir keine Schulbänke mehr!?

Allgemein

Wir müssen über Stühle und Tische in Schulen sprechen.

Wenn ich an die Ausrüstung von Schulen denke, dann kommen mir sofort Beamer in den Sinn und direkt danach schließen sich Horrorstories aus Großstädten an. Dabei gibt es so viele Bereiche der Ausstattung an der sich dringend etwas tun muss. Einer dieser Bereiche sind die Stühle.

Während meines Studiums habe ich halbtags in einem Büro gearbeitet und musste da eine Inspektion des Arbeitsschutzes über mich ergehen lassen. Es kam eine Person, die unser Büro auf verschiedene Dinge hin untersucht hat, die die Gesundheit und das Wohlbefinden betreffen. Unter anderem war bei dieser Inspektion unser Bürotisch und die Art wie der Computer und die Eingabegeräte aufgestellt waren, von besonderem Interesse. Ich fand es damals extrem affig 10 Minuten bei der Arbeit beobachtet zu werden, nur um dann gefühlt das ganze Büro umzustellen. Wenn man aber kurz darüber nachdenkt, dann macht der Arbeitsschutz diese Inspektionen nicht um Mitarbeiter_innen zu ärgern, sondern um Rückenprobleme und anderen Krankheiten vorzubeugen. Eigentlich ist das eine sehr gute Sache.

Richtiges Sitzen ist wichtig für die Gesundheit. Dazu Ergo Online („Beratungsstelle für Technologiefolgen und Qualifizierung im Bildungswerk der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) im Lande Hessen e.V.
(BTQ Kassel)“)

„Dauersitzen ist eine Strapaze für den Rücken.

Rückenschmerzen lassen sich vermeiden, wenn die Regeln des ergonomischen Sitzens beachtet werden und Bewegung in den Arbeitsalltag eingebaut wird.

Stühle mit dynamischer Rückenlehne, Steh-Sitz-Tische und regelmäßige Bildschirmpausen unterstützen das.

Aufrechtes Sitzen mit mindestens einem rechten Winkel bei Knie und Ellenbogen verhindert Fehlbeanspruchungen in den Schultern, im Rücken, bei Armen und Beinen.

Vermieden werden sollte eine stundenlange, starr angespannte Haltung mit Rundrücken.“

Quelle

Wenn ich im Moment meine 5. Klasse so angucke, dann muss ich immer an diese Inspektion und die darauffolgende Arbeitsschutzsitzung zurückdenken. „Beine und Arme müssen beim Arbeiten einen 90° Winkel haben.“ Ich persönlich kenne aber keine einzige Schule wo das für Kinder realisiert wird. In den meisten Schulen gibt es genau eine Tisch- und eine Stuhlgröße. Meine Schüler_innen in der Sekundarstufe 1 lösen das Problem ihrer Körpergröße meistens indem sie sich auf ihre Unterschenkel setzen oder sich auf den Stuhl knien. In der Oberstufe sitzen die zu kleinen Schüler_innen auf ihren Pullovern oder auf Taschen. Wenn Schüler_innen zu groß für die Stühle oder Tische sind, dann haben sie einfach Pech gehabt.

Eltern können das Problem übrigens immer dann ganz gut nachvollziehen, wenn sie in der Grundschule Elternabend haben. Auf den Kinderstühlen zu sitzen ist als Erwachsener definitiv kein Spaß.

Unsere Kleinen sitzen jeden Tag so schlecht, wie wir auf den Elternabenden und irgendwie kümmert es keinen.

Wenn man zu diesem Problem noch die Schulranzen-Thematik dazu nimmt, dann zeichnet sich ein sehr düsteres Bild für die Rückengesundheit von Kindern in Deutschland. Stellt sich also die Frage, wieso wird in Betrieben auf dieses Thema geachtet und bei unseren Kindern nicht?

Ich behaupte mal ganz mutig:

Es liegt am Geld.

Ein Schülerstuhl geht so ungefähr bei 42€ pro Stuhl los. Höhenverstellbare Stühle gibt es zwar auch, diese beginnen aber bei 89€ und werden im Ausstattungshandel als „Fachraum“-Stühle verkauft. Bequem ist dieses spezielle Modell nicht, ich saß da schon drauf. In bequem gehen die Stühle bei 150€ los. Man kann also drei normale Stühle zum Preis eines bequemen höhenverstellbaren Stuhls kaufen.

Die Verkäufer_innen machen es den Schulen (dem Kreis) dann auch wirklich einfach die billigen Stühle zu wählen. Die Stühle sind doch ergonomisch und bequem sind sie auch. Stoffbezüge sind auch so unpraktisch. Aus dem Werbetext eines Stuhls:

„Ihre Schülerinnen und Schüler verbringen einen Großteil des Tages sitzend. Ein bequemer und ergonomisch sinnvoller Stuhl ist daher sehr wichtig.
Echte Stoff-Polster-Stühle halten dem harten Schulalltag jedoch nicht lange stand.
Ein hervorragender Kompromiss sind hier Luftpolsterstühle mit sehr robusten und doch bequemen Kunststoff-Sitzflächen und Rückenlehnen.
Hygienisch nass abwischbar und doch mit hohem Sitzkomfort wurden diese Stühle speziell für den jahrelangen Schuleinsatz entwickelt.
Langlebige Fußgleiter, eine eingebrannte Pulverbeschichtung und voll verschweißte Stahlrahmen verleihen diesen Stühlen besondere Langlebigkeit.
Luftpolster sind in der Farbe hellgrau.
Die Stühle werden standardmäßig mit Kunststoffgleitern geliefert.“

Im Moment ist das ganze Bestuhlungssystem in Schulen außerdem auf Praktikabilität ausgelegt. Wenn überall in der Schule die gleichen Stühle und Tische stehen, dann sind sie austauschbar und man kann schnell mal aus dem Nachbarraum einen anderen Stuhl holen. In der Regel sind Stühle in der Schule auch stapelbar. Das erleichtert sowohl den Transport von vielen Stühlen, als auch das Einlagern während in den Ferien Großputz gemacht wird. Dies trägt alles dazu bei, dass sich im Bereich von Stühle wahrscheinlich so schnell nichts ändern wird. Was gäbe es denn aber für Möglichkeiten und was spricht in der Systemlogik der Einkäufer und Verwalter gegen diese?

Verschiedene Stuhlgrößen

Man könnte zum Beispiel Stühle in verschiedenen Größen anbieten. Jede Sekundarstufe bekommt eine eigene Stuhlgröße. Schulgebäude haben es aber so an sich, dass Stühle durch eben dieses Schulgebäude wandern. Bald gäbe es in jedem Raum drei verschiedene Stuhlgrößen und wahrscheinlich würden sich alle Schüler_innen beschweren, dass sie jetzt gerade auf der falschen Größe sitzen. Bei diesem Lösungsansatz gäbe es außerdem auch das Problem, dass Schüler_innen unterschiedlich schnell wachsen. Es gibt nun mal auch sehr große Schüler_innen in der Sek I, die bisher von der Einheitsgröße profitieren und dann auf zu kleinen Stühlen sitzen müssten.

Die verschiedenen Größen würden es aber immer noch ermöglichen, dass man die Stühle stapeln und einlagern kann. Sie wären genauso wartungsintensiv wie bisherige Stühle. Allerdings müsste man wahrscheinlich wegen des Wanderns der Stühle einen gewissen Prozentsatz mehr an Stühlen anschaffen, um das Suchen nach der passenden Größe etwas einzudämmen.

Höhenverstellbare Stühle

Statt verschiedener Stuhlgrößen könnten auch höhenverstellbare Stühle gekauft werden. Diese Stühle würden allen Schüler_innen und allen Lehrkräften das richtige Sitzen ermöglichen. Höhenverstellbare Stühle gibt es mit und ohne Rollen sowie mit und ohne Armlehnen. Was neben dem Anschaffungspreis gegen höhenverstellbare Stühle spricht ist, dass sie eine Mechanik haben und deshalb (noch) schneller kaputtgehen können als normalen Stühle. Da Schüler_innen nicht immer besonders pfleglich mit Stühlen umgehen und der Reparaturaufwand eventuell nicht vom Hausmeisterteam geleistet werden kann, würden hier Folgekosten auf die Schule zukommen, die nicht kalkulierbar sind.

Andere Alternativen

Standing Desks wären eine Möglichkeit, aber auch die müsste man in der Höhe anpassen. Man könnte sich eventuell das Geld für Stühle sparen, aber Schulen müssten höhenverstellbare Tische kaufen. Diese sind noch teuerer als höhenverstellbare Stühle und haben das gleiche mechanische Problem wie höhenverstellbare Stühle, sie sind wartungsintensiver als Tische ohne Mechanik. Man kann Schüler_innen auch nicht den ganzen Tag stehen lassen.

Eventuell wären Sitzbälle auch eine Alternative. Immerhin passen sie sich durch das Gewicht der sitzenden Person ein wenig in der Höhe an. Wenn ich aber den Boden in meiner Schule angucke… Naja. Ich denke lange halten die wahrscheinlich nicht.

Fazit

Wahrscheinlich wird sich die Sitzsituation der Schüler_innen in naher Zukunft nicht ändern. Ich bin dennoch der festen Überzeugung, dass höhenverstellbare Stühle alternativlos sind. Das eventuell höhere Wartungsaufkommen ist lösbar und Schüler_innen lernen auch mit dem Mobiliar verantwortungsvoll umzugehen. Eine gute Ausstattung in Schulen sollte selbstverständlich sein. In Zeiten wo es in Deutschland aber Schulen gibt, in die es wortwörtlich reinregnet, wird wahrscheinlich nicht die dreifache Menge Geld für Bestuhlung im Haushalt verfügbar sein.