Meine Meinung zum AfD Meldeportal

Allgemein

Einige AfD Landesverbände haben Meldeportale für unliebsame Lehrkräfte eingerichtet. Als Hamburg damit angefangen hat, dachte ich mir noch so 🙄, aber so langsam…

Ich möchte deshalb nur kurz für das Protokoll festhalten:

Unterricht im Fach Politik und Wirtschaft (Sozialkunde, Politik, you name it) unterliegt in Deutschland dem sogenannten Beutelsbacher Konsens und muss damit drei Kriterien genügen.

Es gilt das Überwältigungsverbot, sprich wir geben den Schüler_innen keine Meinung vor, sondern lehren sie sich eine eigene Meinung zu bilden.

Es wird schülerorientiert gearbeitet. Für die Themen aus den Curricula werden Anknüpfungspunkte im Leben der Schüler_innen gesucht. Meine Schüler sollen aktuelle Geschehnisse in der Gesellschaft und in der Politik verstehen und bewerten können.

Themen werden außerdem natürlich kontrovers diskutiert. Glücklicherweise habe ich verschiedene Menschen vor mir in der Klasse sitzen und wenn man über Wirtschaft spricht, dann sitzen da linke und liberale Menschen zusammen und im besten Fall streiten sie sich über Sachthemen und können ihren Standpunkt begründen.

Finde ich die Meinungen meiner Schüler immer gut? Natürlich nicht! Ich bin ein Mensch. Die Frage ist ja aber: Bewerte ich die Meinung meiner Schüler im Unterricht? Natürlich nicht! Ich bewerte ob sie das Problem verstanden haben und ob sie mir eine schlüssige Lösung anbieten können.

Das Beispiel aus dem Video zeigt die Inhalte des Beutelsbacher Konsens sehr deutlich. Die Schüler sollten eine Rede von Höcke mit Ansichten Hitlers vergleichen. Sowohl die Rede als auch die These ging tagelang durch die Medien, es war also hochgradig aktuell und es gab eine Kontroverse in der Gesellschaft. Die Lehrkraft hat Material mitgebracht und die Schüler mussten im Unterricht ein begründetes Urteil über diese These fällen.

Ein Verstoß gegen den Beutelsbacher Konsens hätte es nur dann gegeben, wenn die Lehrkraft sich hingestellt hätte und den Schülern einfach nur gesagt hätte, dass Höcke der Hitler des Jahres 2018 sei. Auch kritisch wäre, wenn man nur die AfD thematisiert, aber wenn man sich ein wenig mit den Thema Sozialstaat in den Schulbüchern beschäftigt ist das ein einziges SPD gebashe, weil die Hartz-Reformen nicht so gut wegkommen. Auch die FDP bekommt ihr Fett weg, wenn man über die Aussagekraft des Homo Oeconomicus spricht und die Grünen sind ganz vorne mit dabei wenn es um erneuerbare Energien und die Versorgungsprobleme geht.

Hier wird meiner Meinung nach leider auf Kosten der Lehrkräfte versucht eine politische Agenda zu fahren.

Material Chemnitz 2018

Allgemein

In den letzten Tagen passiert unglaubliches in Chemnitz. Neonazis stehen ganz offen auf deutschen Straßen und wir schauen zu. Ich werde das Thema im Unterricht behandeln und möchte hier eine erste kleine Sammlung an möglichem Material dazu bereitstellen. Gerne übernehme ich noch Dinge, schreibt mich einfach auf Twitter an. Ich bin dort @jens_kessler.

Audio

Der SZ Podcasz auf den Punkt thematisierte in der Sendung „Chemnitz im Ausnahmezustand“ das Thema und gibt einen guten und kurzen Überblick.

Die Lage der Nation hat in Folge 108 über Chemnitz gesprochen. (Mit weiterführenden Links)

Text

Staatsversagen? Warum Rechtsextremismus in Sachsen besonders gedeiht [Monitor vom 25.02.2016]

Stefan Niggemeier hat im Jahr 2017 über Rostock Lichterhagen geschrieben.

German government condemns right-wing rioters after protests surprise police, CNN berichtet über Chemnitz

In Chemnitz kämpfen nicht „Linke gegen Rechte“ – Sondern alle gemeinsam gegen Rechtsradikale.

Meine Kindheit in Chemnitz

Bürgerdialog in Chemnitz – Chemnitz zwischen Hass und Liebe

Der breitet sich aus. Syrer verpfügelt und ausländerfeindlich beschimpft.

Bild

Video

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer, CDU, zu den Ausschreitungen in Chemnitz

Tim Herden kommentiert die Reaktionen auf die Vorfälle in Chemnitz
tagesthemen 22:15 Uhr, 28.08.2018

The Vice spricht mit Geflüchteten und Migranten in Chemnitz.

Header:

Von Sandro Schmalfuß – Sandro Schmalfuß, CC BY-SA 4.0

Wo informiere ich mich über Politik?

Anleitung / Für Schüler / Politik

Es soll ja ganz fiese Lehrkräfte geben, die erwarten, dass man sich als Schüler_in mit Nachrichten auseinandersetzt. Vor allem in den höheren Klassenstufen profitiert man in den Geisteswissenschaften immens davon, wenn man schon eine gewisse Zeit Nachrichten konsumiert hat. Das hier soll eine kleine Liste für (meine) Schüler_innen sein, die ich natürlich von Zeit zu Zeit aktualisiere.

Wie kann ich mich am besten Informieren?

Am besten sucht man sich eine Nachrichtenquelle, die zu einem selbst passt. Welcher Medientyp ist man selbst? Liest man gerne, hört man gerne oder guckt man gerne Videos? Vielleicht ist es auch eine Mischung aus allen Bereichen. Hier findest du eine Auswahl an Möglichkeiten, wo man sich für die aktuellen 10 Minuten informieren kann.

Wieviel Zeit muss ich „opfern“? 😱

Keine Sorge, keine Lehrkraft erwartet, dass du den Helmut Schmidt machst und jeden Morgen alle relevanten Tageszeitungen liest. Mit 100 Sekunden kannst du schon dabei sein, aber auch das Abonnieren von Zeitungen und Radiosendern in sozialen Netzen kann dir dabei helfen auf dem neuesten Stand zu sein.

Instagram

Auch Zeitungen und andere Nachrichtenanbieter sind auf Instagram. Hier findest du eine kleine Auswahl. Bitte beachte das Mindestalter von Instagram.

Newsletter per WhatsApp und Mail

Die FAZ und die SZ bieten einen WhatsApp Newsletter an. Bitte beachte dabei, dass die Anbieter nach der Anmeldung deine Telefonnummer kennen und, dass WhatsApp ein Mindestalter hat.

Video

Text

Du liest gerne? Kein Problem!

  • Deutschlandfunk Nachrichten zum Nachlesen
  • Tages- und Wochenzeitungen haben in der Regel ein kostenloses Nachrichtenangebot auf deren Webseite.
    • Eine eigene Zusammenstellungen von Nachrichten kannst du per Feedreader selbst vornehmen.
  • Die Zeitung deiner Eltern.

Geheimtipp:

  • Der mobile ARD Videotext. Dieser lässt sich super schnell und einfach auf dem Mobiltelefon lesen und belastet auch kaum das Datenvolumen, weil nur Text auf der Webseite ist.

Audio

Neben den klassischen Radionachrichten kannst du auch Podcasts abonnieren. Unter iOS (ab iOS 7) und ab Android 8 (Oreo) gibt es vorinstallierte Podcastplayer. Ansonsten könnt ihr euch im PlayStore einfach AntennaPod installieren. Die App ist kostenfrei und open source.

Apps

Die meisten Zeitungen, TV-Sender oder Online Portale haben eine App. Einfach mal im Play Store / App Store gucken. Hier werden in der Regel alle Nutzungstypen angesprochen, weil mit Video, Text und Audio gearbeitet wird.

G. Crescoli

Motivation durch Projektarbeit – Ein Erfahrungsbericht

Bildung und Schule / Unterrichtsidee

Menschen lernen besser, wenn sie ein Thema interessiert. Dieses Interesse muss irgendwoher kommen. Entweder bringen es die Schüler_innen mit oder die Lehrkraft stellt es her. Oft wird versucht das Interesse über ein Problem herzustellen. Das Problem dabei ist die Logik der One problem fits all student-Mentalität. Es sind einfach nie alle Schüler von einem Problem so betroffen, dass es sie auch motiviert. Natürlich ist Plastikmüll und Umweltverschmutzung wichtig und betrifft alle Schüler_innen, aber sind deshalb alle gleich auch am Stoff interessiert? Eher nicht.

Im letzten Durchgang Wirtschaft in der 8. Klasse wollte ich deshalb einen anderen Ansatz fahren. Probleme im Bereich Wirtschaft zu finden ist kein Problem. Man kann hier sehr gut mit dem Gerechtigkeitssinn der Kleinen arbeiten oder viele Teilbereiche an einem großen Thema abarbeiten. Vieles ist hier möglich. Ich wollte diese Unterrichtsreihe aber komplett auflösen und die Schüler_innen selbstständig Thema und Problem finden und bearbeiten lassen. Dieser Ansatz nennt sich Schülerorientierung und ist eine andere Möglichkeit Interesse herzustellen. Es geht darum die Schüler_innen aktiv mit in die Planung und die Gestaltung des Unterrichts einzubeziehen und zwar nicht nur in der Form, dass die Schüler_innen die Probleme / Themen des Unterrichts mitgestalten, sondern in großem Maße eigenverantwortlich den Unterricht und damit den Lernprozess steuern.

Gelingen sollte mir das durch eine Art der Betriebssimulation.

Inhaltlich stehen in der 8. Klasse im Bereich Wirtschaft folgende Dinge im Schulcurriculum.

  • Marktformen
  • Preisbildung
  • Wirtschaftskreisläufe
  • Entscheidungsfindung von Unternehmen
  • Güterarten
  • Wettbewerb

Die Aufgabe der Schüler_innen war es sich in Gruppen zusammenzufinden und gemeinsam ein Produktkonzept zu entwickeln. Ein Konzept deshalb, weil ich natürlich nicht verlangt habe das Produkt auch zu bauen/schreiben/herzustellen. Es gab dabei nur die Vorgabe, dass das Produkt mit heutigen technischen Mitteln umsetzbar sein sollte. Als leitendes Gerüst wurde den Schüler_innen eine zeitliche Vorgabe gemacht und dieser Katalog an Beispielfragen mitgegeben.

  • Warum sollten die Kund_innen euer Produkt kaufen?
  • Was ist euer USP (Unique selling point)
  • Wie produziert ihr?
  • Wo produziert ihr?
  • Wie kommt euer Preis zustande?
  • Marktanalyse –> Wieviel Kund_innen könnt ihr erreichen? –> Wieviel könnt ihr also verkaufen
  • Wie sieht die Konkurrenz aus?
  • Was verkauft ihr für ein Gut/Dienstleistung?

Das ganze Vorhaben wurde als Projektarbeit realisiert, in der am Ende ein Gruppenbericht abgegeben und eine kurze Präsentation des Produktes gehalten werden sollte. Die Schüler_innen waren völlig frei in ihrer Zeiteinteilung und Aufgabenverteilung.

Damit die Schüler_innen sich die oben genannten Beispielfragen auch beantworten können, wurde bewusst auf BYOD gesetzt. Das war dann auch ein Leitkonstrukt für die Gruppenbildung, in jeder Gruppe musste ein digitales Endgerät zum Lesen und oder zum Recherchieren vorhanden sein. Neben der eigenen Recherchearbeit wurde in den einzelnen Stunden von mir eine Stationenarbeit zu den Themen des Schulcurriculums aufgestellt. Ich habe die Stationen thematisch auf fünf Hauptfragen eingedampft:

  1. Was ist ein Markt und wie funktioniert er?
  2. Wie kommen Preise zustande?
  3. Was für Güter gibt es?
  4. Welche ökonomischen Prinzipien gibt es?
  5. Was ist ein Wirtschaftskreislauf?

Die Stationen bestanden aus Texten, Statistiken und Grafiken aus meinen Schulbüchern und der BPB und bildeten den theoretischen Rahmen, den ich sonst im Unterricht erarbeitet hätte. Die Schüler_innen hatten also theoretischen Input durch die Stationen und die Möglichkeit bei Unklarheiten im Netz zu recherchieren und mit mir oder anderen Gruppen zu sprechen. Die Recherche zu ihren Produkten, vor allem die Marktanalyse musste natürlich zu Hause oder auf den mitgebrachten Geräten ablaufen. Ich habe nach besten Wissen und Gewissen geholfen, aber auch ich musste natürlich manchmal selbst nochmal Dinge nachgucken.

Zeit

In der 8. Klasse habe ich zwei Stunden die Woche. 16 Stunden hatte ich für die Projektphase und zwei Stunden hatte ich zum Präsentieren eingeplant. Pro Station hatte ich 45 Minuten veranschlagt (6 Stunden), 2 Stunden dachte ich dauert die Produktfindung und 10 Stunden Recherche und Schreiben des Berichts und der Präsentation. Ich habe also mit 2 Schulstunden HA über die ganze Projektphase gerechnet. Zu Beginn habe ich versucht sehr deutlich darauf hinzuweisen, dass am Ende nochmal viel Arbeit ansteht, wenn man nicht von Beginn an Sachen verschriftlicht.

Abgaben

Der Bericht sollte so gestaltet werden, dass die Beispielfragen darin als Fließtext beantwortet werden. Als kleine weitere Vorgabe wurde die Länge auf 4 Seiten beschränkt. Die Schüler_innen hatten also keine Mindestlänge, sondern mussten sich überlegen ob sie alles Wichtige bereits formuliert hatten. Im Bericht sollte im Prinzip das Produkt vorgestellt werden indem man die Beispielfragen beantwortet. Die Präsentation gab dann nochmal für mich die Chance Unklarheiten aus der Lektüre des Berichts zu beseitigen und letzte Nachfragen zu stellen.

Ziele

Neben meinem Ziel das ganze Wirtschaftsthema schülerorientierter zu machen und damit eine hoffentlich höhere Motivation für das Thema zu erzielen, habe ich natürlich auch ein paar kleinere Ziele mit dem Projektunterricht verfolgt. Zum einen wird die Sozialkompetenz durch Projektarbeit gestärkt, weil die Schüler_innen sich gemeinsam mit einem Thema beschäftigen müssen. Die Schüler_innen lernen ebenfalls sich die Zeit selbst einzuteilen und sich zu organisieren. Die feste Deadline am Ende und das ansonsten freie Gerüst bietet allen Arbeitstypen die Möglichkeit sich auszutoben. Auch lernen die Schüler_innen in solchen Konstellationen, dass es durchaus Sinn macht sich in Projektphasen thematisch oder arbeitsspezifisch zuzuordnen und nicht immer nur mit der besten Freundin zu arbeiten.

Bei regelmäßiger Projektarbeit, und das ist immer noch mein Ziel für den zukünftigen Unterricht, haben die Schüler_innen am Ende zumindest gelernt sich zu organisieren, zu einem Thema zu recherchieren und zusammenzuarbeiten. Wahrscheinlich ist das für ihr Leben später auch einfach wichtiger als einen erweiterten Wirtschaftskreislauf auswendig zu können.

Probleme

Leider bin ich direkt nach der Einführung ins Projekt spontan operiert worden und sechs Wochen ausgefallen.

Shit happens

Ich habe alles versucht um die Vertretungskräfte ins Bild zu setzen und die Schüler_innen weiterarbeiten zu lassen. Das ist leider in den meisten Klassen schiefgegangen. Die Hälfte der Stunden ist ungefähr weggefallen und ich musste dann am Ende noch Zeit dazugeben. Die Gruppen waren dann nach meiner Wiederkehr sehr unterschiedlich weit im Arbeitsprozess. Einige haben fleißig gearbeitet und viele haben aber auch die Frei- äh Vertretungsstunden anderweitig genutzt und waren sehr erstaunt, dass ich mit dem Projekt nahtlos weitergemacht habe.

Leider habe ich durch meine Krankheit den Beginn der Arbeitsphasen und das Austarieren der Gruppendynamiken und Arbeitsabläufe nicht mitbekommen. Hier wäre es sicher für beide Seiten gut gewesen anwesend zu sein.

Freundschaft > gemeinsames Produkt

Das mit der Motivation funktioniert natürlich nur, wenn sich die Schüler_innen auf ein gemeinsames Produkt einigen können, auf das auch alle bock haben. Man konnte deutlich sehen, dass die Gruppen wo man sich gemeinschaftlich auf ein Produkt geeinigt hatte, die wesentlich besseren Ergebnisse geliefert haben. In einer 8. Klasse kann man natürlich nicht erwarten in der ersten Projektarbeit direkt Freundschaftsstrukturen aufzubrechen. Diese Gruppen hätten vielleicht mit mehr Zeit und Beratungen noch ein „besseres“ Produkt für den Gruppenkonsens finden können. Durch meine Krankheit konnte ich hier leider nicht mehr helfen und ggfs. steuernd eingreifen. Wahrscheinlich gehört das aber auch zu den ersten Projektarbeiten dazu, dass man lernt sich die Gruppen besser auszusuchen.

Leitfragen vs. Beispielfragen

Ich hatte den Leitfragenkatalog Beispielfragen genannt, um zu signalisieren, dass man gerne auch andere Fragen einfließen lassen kann. In diesem Durchgang hat es aber eher dazu geführt, dass sich nicht über alle Fragen Gedanken gemacht wurden. Beim nächsten Mal werde ich sie Leitfragen nennen.

Pflichtstationen

Natürlich haben nicht alle Schüler_innen alle Stationen selbst gemacht. Ist das schlimm? Ich weiß es nicht. Dadurch, dass ich keine individuelle Leistungsabfrage durchgeführt habe, sondern das Gruppenergebnis bewertet habe, ist der Lernzuwachs von einzelnen Schüler_innen eine black box. Theoretisch müssten alle Mitglieder der Gruppe beim Entwickeln des Produktes den Inhalt der Stationen verinnerlicht haben, auch wenn sie sie nicht selbst gemacht haben. Ich bewege mich hier im Spannungsfeld zwischen Eigenverantwortung der Schüler_innen und meiner Verantwortung der Stoffvermittlung. Ich denke hierzu kann ich erst nach dem nächsten Durchgang mehr schreiben, wenn ich die Schüler_innen mehr beim Projekt beobachten konnte.

Cloud

Ich hatte alle Unterlagen und Stationsmaterialien in einem OneDrive Ordner liegen. Die Schüler_innen konnten immer und von überall auf die Unterlagen zugreifen. Leider wurde mir auf halber Strecke von der Schulleitung verboten Cloudspeicher außerhalb von Deutschland einzusetzen und ich musste alles sofort löschen. Die Schüler_innen hatten sich aber auf die Unterlagen verlassen und hatten keine offline Kopien gemacht. Das hat mich einige Zeit gekostet in der ich E-Mails beantworten musste und einige Gruppen haben dann einfach nicht mehr von zu Hause aus gearbeitet. Das war in der Phase des Berichtschreibens extrem ungünstig. Ohne LMS und ohne E-Mail-Kontaktmöglichkeit konnte ich den Schüler_innen auch nicht direkt bescheid sagen.

Fazit und Folgen

Bisher hatte ich immer mal wieder kurze Projektphasen im Unterricht und ich war sehr gespannt auf diese Unterrichtssequenz. Leider hat mir meine Krankheit einen Teil der Erfahrung genommen. Am Ende dieses Schuljahres muss ich mir die Frage stellen wie gut das Projekt gelaufen ist.
Fangen wir mit den „empirischen“ Befunden an. Der Bericht hat die Lernkontrolle ersetzt und hat deshalb 1/3 in die Endnote gezählt. Meine Lernkontrollen sind bisher im Schnitt ein wenig besser ausgefallen als die Projektarbeit. (Ich mache aber wohl auch einfache Lernkontrollen!?)

Ich habe die Betriebssimulation dieses Jahr in vier 8. Klassen durchgeführt. Lediglich eine Gruppe hat mir ihren Bericht nicht abgegeben. Ich weiß immer noch nicht genau warum. ¯\_(ツ)_/¯ In einer Gruppe lief die Erarbeitung nicht gut und das Endprodukt war dadurch für die Schüler_innen unerwartet schlecht („nur“ eine 3 – hier läuft aber auch gerade ein Widerspruch gegen meine Endnote). Die Verteilung der Noten liegt zwischen 1+ bis 4 (und eine 6 für den nicht abgegeben Bericht). Was sich aber verändert hat ist die Verteilung der Noten bei den Schüler_innen. Die Schüler_innen die sonst immer sehr gute Lernkontrollen geschrieben haben, haben nicht zwangsläufig einen guten Bericht abgegeben.
Kleinere Schwankungen zwischen den Schnitten verschiedener Jahrgangsstufen sind normal. Hier sehe ich also kein Problem. Was mir allerdings sehr gut gefällt ist die Ersatzleistung. Im Gegensatz zu einer normalen Lernkontrolle ist der Schwerpunkt hier deutlich weniger auf der Reproduktion, sondern auf den Gedanken zum Produkt und den Begründungen. Ich werde im nächsten Durchlauf allerdings die Formalia des Berichts und die Leitfragen deutlicher als Grundgerüst darstellen, ich denke hier habe ich zu hohe Anforderungen an die Kleinen gestellt. Auch werde ich das nächste Mal Tutorials erstellen oder verlinken wie man Dateien als pdf speichert und wie man kollaborativ in einem Etherpad arbeitet. Hier war ich einfach noch zu sehr von den Schüler_innen meiner Ausbildungsschule verwöhnt, die bereits wesentlich früher Medienkompetenz aufbauen.

In einer 8. Klasse werde ich das nächste Mal die Vorgaben auch direkt am Anfang schriftlich ausgeben und mich nicht auf die Selbstständigkeit der Schüler_innen verlassen sich das nochmal in der Cloud anzugucken. In diesem Durchgang habe ich die Vorgaben alle gesammelt in einer PPP gehabt und mit den Schüler_innen am Anfang des Projektes besprochen, dann aber nur noch digital zur Verfügung gestellt. Das hat bei einigen Schüler_innen zwar schon super geklappt, aber gerade die unselbstständigeren Schüler_innen muss man nicht gleich in allen Bereichen ins kalte Wasser werfen. Hier muss ich differenziertere Angebote machen.

Auch die Krankheit hat ihren Teil zu kleineren Problemen beigetragen. Einige Schüler_innen haben mit mir in regen Austausch per Mail gestanden, während andere Schüler_innen diese Hilfe gar nicht wahrgenommen haben. Das hat in diesem Fall meiner Meinung nach vor allem etwas mit der Schulkultur zu tun. Es ist einfach nicht üblich an der Schule mit Schüler_innen digital zu kommunizieren. Das kann ich natürlich innerhalb eines halben Jahres nicht so etablieren, dass die Schüler_innen das im Projekt dann auch nutzen. Ich habe meine Adresse am Anfang ausgegeben, hatte aber nur die Adressen der Schüler_innen, die sich bei mir gemeldet hatten.

Eine methodische Kleinigkeit wollte ich zu Beginn des Projektes noch mit reinnehmen und habe es dann aber gelassen, weil ich die Kleinen nicht überfordern wollte. Man hätte die Schüler_innen ihren Fortschritt mit Hilfe agiler Projektmethoden wie einem Kanban Board und kleinen Zwischenpräsentationen teilen lassen können. Ich habe diese Methode letztes Jahr genutzt und gemerkt, dass das mit Schüler_innen eingeübt werden muss, damit sie sinnvoll wird. Die Zeit wollte ich diesmal nicht opfern, zumindest nicht in der allerersten Projektarbeit. Die digitalen Möglichkeiten an der Schule waren dazu auch unzureichend. Ein analoges Kanban Board als Ausweg wäre natürlich machbar gewesen, bringt aber seine eigenen Probleme mit sich. Man müsste zum Beispiel die Plakate immer im Klassensaal aufbewahren und die Post-It dürfen nicht verloren gehen usw.. Der Hauptgrund ist aber meine Angst der methodischen Überforderung gewesen. Solche Methoden müssen Schritt für Schritt eingeführt werden und nicht alle auf einmal.

Wie war es für mich?

Für mich war die Zeit sehr spannend. Ich habe extrem viel über verschiedene Wirtschaftsbereiche gelernt und habe sehr davon profitiert, dass ich sicher und schnell Informationen im Netz finden kann. Ohne die Möglichkeit zum Beispiel schnell im Internet nachzuschauen wieviel Kunden McDonalds jedes Jahr in einem Land hat und davon abzuleiten wieviel Verpackungen wahrscheinlich gebraucht werden, wäre das Projekt so nicht möglich gewesen.

Es war auf jedenfall in den Unterrichtssituationen sehr anstrengend. Es ist schwierig die richtige Balance aus Anleitung und laufen lassen zu finden. Vor allem am Anfang haben auch alle Gruppen noch sehr viele Fragen und man müsste sich eigentlich als Lehrkraft zerreißen. Hier muss man eine ganz andere Rolle als im klassischen Unterricht einnehmen.

Ich werde das auf jeden Fall wieder machen, wenn auch mit den beschriebenen Änderungen.

Was sagen die Schüler_innen zur Projektarbeit?

Die Mehrheit der Schüler_innen fand das Projekt gut. Besonders das Entwickeln des eigenen Produkts fanden viele Schüler_innen sehr cool. Zumindest haben sie das in der anonymen Auswertung meines Unterrichts geschrieben. 🙈 Einige Gruppenmitglieder waren mit der Arbeit der Mitschüler_innen nicht zufrieden und es gab in zwei Gruppen diskussionsbedarf wegen der Gruppennote.

Auch habe Ich die Schüler_innern nachhaltig mit der Forderung eines Berichtes „bis zu vier Seiten länge“ verwirrt. Sich selbst zu überlegen ob man alles Wichtige geschrieben hat, war für sie eine Herausforderung. Tatsächlich ist kein Bericht länger als drei Seiten geworden.

Die Projekte der Schüler_innen waren extrem vielfältig. Wir hatten in diesem Durchgang Handyhüllen, digitale Schulbücher, smarte Kühlschränke, Klamotten, eine Fluglinie, einen Stift mit eigebauten Wortzähler, ein smart home für Menschen mit handy cap etc….

Überraschung

Die allermeisten Gruppen haben bei ihrem Produkt wert auf Umweltschutz und faire Löhne gelegt und das als Verkaufsargument gesehen. Vielleicht ist die Welt doch noch nicht verloren!?

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Gedankenexperiment über die Bedeutung von Social Media

Unterrichtsidee

Ich bin auf ein Gedankenexperiment des Youtubers Anthony Ongaro gestoßen, welches sich perfekt eignet, um mit Schüler_innen über die Bedeutung von Social Media in ihrem Leben zu sprechen.
Das Experiment ist ganz simpel. Die Schüler_innen sollen über ihren perfekten Tag nachdenken und seinen Ablauf aufschreiben.

 Die Aufgabe kann je nach Klassenstufe und Ziel natürlich noch weiter eingegrenzt oder mit Leitfragen gesteuert werden.

Die Schüler_innen könnten ihre perfekten Tage dann kurz vor dem Plenum vorstellen oder man gibt direkt eine Statistik aus einer Mediennutzungstudie (Jim, Kim, ARD/ZDF-Langzeitstudie Massenkommunikation o.ä.) als weiteren Input.

Die Idee dahinter ist, dass die meisten wahrscheinlich nicht „2h auf Instagram verbringen“ aufschreiben werden und man so die persönlichen Gründe von Social Media-Nutzung diskutieren kann, obwohl Social Media ja eigentlich nicht wichtig genug ist um auf dem Plan aufzutauchen. Man kann auch auf die Mechanismen zu sprechen kommen, wie Apps Menschen dazu bringen sie immer wieder zu öffnen. Die Möglichkeiten sind vielfältig.

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Podcastempfehlung: Intensivstation Schule

Bildung und Schule / Podcast

Jens Schellhass hat sich mit Mitte 50 nochmal ein Jahr lang das System Schule in Bremen angeguckt. Dabei geht er auf “Brennpunktschulen” und auf Pubertät ein und erzählt die Geschichten von einigen Schülern.

Er erzählt selbst, wie er eigentlich mit diesem Beitrag den Weg weisen und die WahrheitTM erzählen wollte und nun dasteht, der arme Tor.

Am eindringlichsten ist mir das Zitat vom Kriminologen Christian Pfeifer im Kopf geblieben.

Wir haben die friedlichsten Schulen, seit wir über diese Daten verfügen. (Kriminologe Christian Pfeifer)

Als Lehrkraft erfährt man nichts grundlegend Neues, aber das Feature ist gut gemacht und man fühlt sich mit den Protagonisten verbunden.


Wie die ARD ihr Feature beschreibt.

Schule ist ein Spiegel der Gesellschaft. Sie ist die Wiege unserer volkswirtschaftlichen Zukunft und die Fabrik, die Bildung vermitteln und leistungsstarken Nachwuchs hervorbringen soll.

Doch das Schulsystem krankt. Die zunehmenden sozialen Unterschiede innerhalb unserer Gesellschaft sind in den Klassenräumen angekommen. Armut, Migration, Aggression und familiäre Vernachlässigung halten Einzug in den Schulalltag. Lehrer und Schüler werden gleichermaßen zu Opfern des Systems. Hier Lehrer, die bei allem Engagement an ihre Leistungsgrenzen stoßen – dort Schüler, deren individuelle Begabung systembedingt verkümmern muss, weil es an Förderung und Beachtung fehlt.

Drei Jahrzehnte nach Ende der eigenen Schulzeit hat sich der Autor noch einmal auf die Schulbank gesetzt. Für ein knappes Jahr. Um Einblick zu erhalten hinter die Kulissen eines verstörenden Schulbetriebs.

Hier gibt es das Feature.

Konstantin Dyadyun

Zitate mit Typorama schöner visualisieren

Anleitung

Zitate sind ein schöner Weg eine Stunde oder eine Reihe zu eröffnen. Sie ermöglichen es Ohne großen Aufwand verschiedene Strategien zu verfolgen. Zum Beispiel kann man die Schülerinnen durch ein verstörendes oder beleidigendes Zitat aufregen, die Bedeutung von Aussagen in einen vorher erarbeiteten Kontext stellen, Schlagwörter zum späteren andocken liefern, die Frage der Stunde aufwerfen etc..

Natürlich kann man Zitate einfach schnell an die Tafel schreiben oder auf eine Folie klatschen, ich finde aber, dass durch eine visuelle Unterstützung noch mehr aus einem Zitat geholt werden kann. Man muss allerdings aufpassen, dass man durch die visuelle Unterstützung nicht zu sehr in die Bedeutung des Zitats eingreift. Vor allem in jungen Altersstufen kann das Bild aber bei der Analyse unterstützen.

Mit Power Point / Keynote kann man zwar hübsche Folien zaubern, wenn man aber einen Schritt weitergehen möchte, dann sollte man sich Typorama mal angucken. Mögliche Ergebnisse sehen so aus:

Das sind jetzt Bilder sowohl aus meinem Blog als auch aus meiner Unterrichtspraxis.

Typorama ist eigentlich dazu gemacht „enganging“ Bilder für soziale Netze zu bauen, aber warum nicht auf für den Unterricht einsetzen. Die App ist auf iOS sowohl für das iPhone als auch für das iPad verfügbar und denkbar einfach zu bedienen.

Zuerst sucht man sich ein Bild aus. Entweder nimmt man etwas aus dem eigenen Fundus oder man bedient sich per Schlagwortsuche bei Pixaby und Unsplash. Mit Pixaby und Unsplash muss man sich auch um Rechte keine Sorgen machen. Die Bilder sind alle frei.

Anschließend kopiert man zum Beispiel das Zitat in das Textfeld und sucht sich eine Schriftart aus. Noch schnell den Text in Größe und Position anpassen und Zack, man ist fertig.

Am Ende nicht vergessen das Bild zu speichern. 😉

Wie gehe ich mit der Impulsflut im Netz um?

Anleitung / Automatisierung

Bei all den Informationen im Netz und vor allem auf sozialen Netzwerken ist manch eine/r überfordert. Die Bildungspunks haben deshalb in ihrer aktuellen Blogparade das Bewältigen dieser Informationsflut als Thema gesetzt. Meine Methode ist eigentlich ganz einfach. Ich benutze Pocket und Things für die meisten Anwendungsfälle.

Pocket

Der Dienst Pocket hieß früher mal ReadItLater, was den Dienst sehr gut beschreibt. Pocket ist als Webseite und als App verfügbar und man kann in Pocket Links speichern. Anders als ein Lesezeichendienst speichert Pocket den reinen Text des Artikels. Ich muss also, nach der Synchronisation, nicht mehr online sein oder die Webseite besuchen, um einen Artikel zu lesen. Man übergibt quasi den Inhalt des Links an Pocket. Das funktioniert in 80% der Fälle sehr gut, in den anderen 20% muss ich dann in Pocket einfach die normale Webseite aufmachen. Nicht jede Seite findet es gut, dass man die Werbung und das Tracking so umgeht und auch Paywalls verhindern eine Volltextkopie. Video und Audio lassen sich natürlich nur als Link speichern, da gibt es keine Offlinekopie.

Sobald ich einen Link in einem Sozialen Netz oder einem Newsletter finde, schicke ich ihn an Pocket. Das bedeutet für mich, dass ich mich in diesem Moment nicht mit dem Inhalt auseinandersetzen muss. Stattdessen kann ich mich auf die Situation jetzt konzentrieren und jederzeit später wieder zu diesem Text zurückkehren.

Ich habe bei Pocket ein Jahresabo von 40€ und bekomme dafür ein ewiges Volltextarchiv aller meiner gespeicherten Texte und Links. Das ist extrem praktisch, wenn ich zum Beispiel einen Text zum Thema x in PoWi brauche, dann kann ich zuerst in Pocket gucken, ob ich dazu nicht schonmal was Gutes gelesen habe.

Wenn man möchte, dann kann man noch zusätzlich mit Tags arbeiten, Highlights setzen (Noch im Beta Programm) oder Artikel teilen.

Pocket ist übrigens auch mein RSS-Reader.

Things

Alles andere landet in einer App namens Things 3. Things ist mein ToDo-Manager und dort kippe ich alle Unterrichts- und Projektideen rein. Wenn es einen Artikel dazu gibt, dann ist der in dem ToDo verlinkt. Zuerst landet erstmal alles ungeordnet im Eingang und wird dann, wenn mal Zeit ist, in die entsprechenden Ordner verschoben.

Immer wenn ich nach einem neuen Buch suche, gucke ich zuerst in den Ordner „To Read“, das selbe gilt für Filme, Hörbücher etc.. Es gibt einen Schulordner, in diesem sammele ich alle Ideen und Anstöße. In der Regel setze ich ein zufälliges Erinnerungsdatum, damit ich die Idee irgendwann nochmal vorgesetzt bekomme. Ansonsten gucke ich mehr oder minder regelmäßig in den Ordner, wenn ich ein Problem habe oder eine Idee brauche. Das ist mein Ort für Inspiration.

Ansonsten kann ich nur sagen, dass ein Entschlacken immer hilft. Man kann nicht alles aufnehmen und umsetzen. Manchmal finde ich es ganz entspannend einfach nicht alles zu lesen und auszuprobieren. Mein Tag hat auch nur 24h und ich schlafe eh schon zu wenig.

 

 

Nieder mit dem neumodischen Scheiß – weg mit der Kreidetafel

Glosse

Ich muss hier und heute meinen Frust loswerden. In Fachkonferenzen und auf dem Marktplatz sprechen immer mehr Kollegen über ihr Bedürfnis eine Kreidetafel in Klassensäle zu hängen.

Ich mag das nicht. Mein Unterricht ist auch ohne Tafel sehr gut. Deshalb hänge ich diesen Brandbrief auf.

Tafeln möchte ich nicht einsetzen, weil

  • wenn die Kreide leer ist, kann ich keinen Unterricht mehr machen.
  • wenn der Schwamm weg ist, ist die Tafel unbenutzbar.
  • Kreidestaub Krebs verursacht!
  • Schüler lernen besser durch Zuhören, als durch Abschreiben.
  • das aristokratische Gespräch keine Tafel braucht.
  • Tafeln von der Wand fallen können!
  • es keinen Platz mehr für meine Karten gibt, wenn eine Tafel an der Wand hängt.
  • es den Augen von Kindern nicht gut tut, wenn sie die ganze Zeit auf die Tafel starren.
  • die Schüler ganz hinten nicht lesen können, was auf der Tafel steht.
  • Schüler mit einer rot/grün Schwäche nichts auf der Tafel lesen können.
  • wir das Geld lieber sinnvoller verwenden sollten. Zum Beispiel könnte man Schulen damit renovieren.
  • Tafeln das Denkvermögen und das Gedächtnis von Schülern zerstören.

Deshalb folgt meiner Forderung und lasst uns nicht jeden neumodischen scheiß mitmachen!

Update 17.05.18
Das ist eine Glosse. Sie nimmt die Argumente aus der Smartboarddebatte und wendet sie auf die Kreidetafel an.

unsplash-logoRoman Mager

Ein paar lose Gedanken zum eigenen Beamer

Bildung und Schule / Meinung

An meiner Ausbildungsschule hatte ich das Privileg in jedem Raum ein Smartboard zu haben. Nach dem Ende des Referendariats habe ich die Schule gewechselt und habe dieses Privileg nun nicht mehr. Seit einiger Zeit gehe ich mit der Idee schwanger mir einen Beamer zu kaufen. Das Problem ist, dass ein vernünftiger Beamer viel Geld kostet. Damit man den Beamer auch im Sommer und in generell hellen Räumen benutzen kann, sollte er 1500 Lumen Leistung bringen. Riesig sollte er nicht sein, weil ich ihn ja mit mir rumschleppen muss und am besten kann er Miracast, AirPlay und Chromecast out of the box.

Zack: Schon bewegt man sich im 700€ Preissegment.

Alternativ kann ich mir im Sekretariat meiner Schule jederzeit einen Beamer leihen. Eigentlich muss man sich natürlich einen Beamer zur Ausleihe reservieren, aber bisher war auch ohne Reservierung immer ein Beamer verfügbar. Um wirklich sicher zu sein einen Beamer zu bekommen, sollte aber trotzdem jedes Mal eine Reservierung vorgenommen werden und dann dementsprechend auch vorausgeplant werden. Spontan den Unterricht umzuplanen und sich auf den Beamer zu verlassen geht also nicht. Wirklich praktikabel finde ich das ständige Ausleihen nicht.

Wegen des Preises habe ich mich aber jetzt erstmal für einen Praxistest entschieden. Eine Woche lang habe ich im ganz normalen Schulalltag einen Beamer und eine Kabeltrommel mit mir rumgeschleppt. Hier möchte ich meine Erfahrungen mit euch teilen.

Anfangs stellte sich für mich eine grundlegende Frage:

Nehme ich den Beamer immer mit oder deponiere ich ihn irgendwo?

Eine Frage, die einfacher klingt als sie ist. Wenn ich den Beamer in zwei von 6 Stunden eingeplant habe, dann kann ich ihn entweder den ganzen Tag mit mir rumtragen oder ich lade ihn im Lehrerzimmer oder in der Sammlung ab und hole ihn mir in der Pause. Ich bin all in gegangen und hatte beide Geräte immer dabei. Der Alltag an einer Schule kann hektisch sein und ich weiß nicht immer, ob ich es in jeder Pause ins Lehrerzimmer schaffe oder nicht. Ich mag mich auch nicht stressen müssen, weil ich den Beamer im Lehrerzimmer liegen habe. Also: Den Beamer immer dabei.

Was bedeutet der Beamer für die Vorbereitung und in der Stunde?

Ein Beamer bedeutet sowohl in der Vorbereitung als auch in der Stunde eine Entlastung für mich. Zunächst muss ich keine Folien mehr kopieren und vor allem muss ich keine Folien zu Hause aufbewahren. Man kann, schon rein aus ökologischen Gründen, ja die Folien dann nicht nach einem Gebrauch wegwerfen, wenn man sie nochmal benutzen möchte. Gerade in Geschichte benutzt man Karikaturen öfter mal. Das Drucken, das Abheften und das Suchen von bereits gedruckten Folien fällt weg.

Auch in der Stunde gibt mir der Beamer Flexibilität. Ich kann spontan auch mal einen Teil der Stunde umwerfen, wenn es nicht wie geplant läuft. Zum Beispiel kann ich einfach ein anderes Bild, Karikatur oder Karte zeigen. Nochmal etwas zur Vertiefung eingeben. Ich habe die Unterlagen ja alle auf meinem Laptop dabei und nicht zu Hause in einem Ordner eingeheftet.

Für mich wird auch das classroom management einfacher, weil die Arbeitsaufträge bereits vorformuliert in meiner Präsentation sind. Ich muss sie nicht mehr an die Tafel schreiben und die Kleinen so lange in einer Phase der Arbeitslosigkeit lassen. Vor allem bei den Jüngeren ist das noch wichtig, in der Q2 vielleicht eher nicht mehr.

Es ist aber auch nicht alles Regenbogen und Einhörner. Ich muss nämlich den Beamer jedes Mal auf- und abbauen und anschließen und verbinden. Dazu muss ich meinen Laptop auspacken, die Kabeltrommel ausrollen, Strom und VGA Kabel an den Beamer packen und einen Adapter suchen. Mein Laptop hat nur noch einen Mini Display Port und keinen VGA Anschluss mehr. (HDMI haben Schulbeamer bei uns noch nicht.) Ich brauche also zusätzlich noch meinen Adapter, den ich unter keinen Umständen verlieren darf. All das steht dann auf meinem Lehrerpult oder irgendwo in der Pampa und wirft ein schiefes Bild an die Wand, an der in der Regel keine Projektionsfläche ist. Wenn ich wirklich schnell bin, dann ist das in 2-3 Minuten jeweils erledigt, meistens dauert es eher 5 Minuten. Das Abbauen ist weniger ein Problem, das mache ich in einer Arbeitsphase, wenn ich den Beamer nicht mehr brauche. Es sei denn, ich brauche ihn in der letzten Phase der Stunde, dann baue ich ihn in der Pause ab. Am Anfang der Stunde ist der Aufbau zeitlich das größte Problem, weil ich ja in der Regel den Einstieg und meine Orgafolien nur digital habe. Im Vergleich zu einem OVP ist das wesentlich zeitintensiver.

Steht das alles in einem Verhältnis zueinander? Lohnt sich der Aufwand wirklich?

Ich habe nur durch die pure Existenz eines Beamers in meinem Klassenzimmer noch keinen innovativen Unterricht durchgeführt. Ich plane den Unterricht mit einem Beamer aber anders und bin im Bereich Fragestellungen/-technik besser vorbereitet, was eine meiner großen Baustellen ist. Ich glaube also schon, dass mein Unterricht mit Beamer besser ist.
Das rumtragen hat mich nach zwei Tagen weniger gestört, als ich es vorher angenommen hatte. Das Auf- und Abbauen nervt aber ziemlich. Leider haben wir alte Beamer und kein WLAN in der Schule, ich konnte also nur die kabelgebundene Version testen. Ich glaube es würde mir Auf- und Abbau sehr erleichtern, wenn ich nur den Beamer mit Strom versorgen müsste und das ganze andere Gefummel nicht mehr bräuchte.

Ich denke ich werde mir einen Beamer zulegen, weil die Vorteile für mich die Nachteile überwiegen. Allerdings werde ich noch etwas sparen und hole mir einen Beamer, mit dem ich auf Dauer zufrieden bin. Immerhin werde ich das Ding fast täglich nutzen und mag nicht dauerhaft genervt sein. Bis dahin muss es der Schulbeamer machen.