Wie plane ich eine Unterrichtsstunde? Die Basics für Referendare*

Bildung und Schule

Wenn man anfängt zu unterrichten ist eine der zentralen Fragen „Was mache ich in der nächsten Stunde?“ Über die Planung von Unterricht ist schon sehr viel geschrieben worden und die perfekte Stunde wird es wohl nicht geben, auch wenn man immer wieder von diesen 15 Punkte-Unterrichtsbesuchen und -Lehrproben hört. Ich möchte euch Referendaren* im Folgenden eine erste Idee von der Planung von Unterricht geben.

Vorweg muss gesagt werden, dass man natürlich in einer idealen Welt immer die ganze Reihe plant und die einzelnen Stunden dann zum Gesamtziel der Reihe beitragen. Außerdem treffen die folgenden Aspekte nicht auf Projektunterricht zu. Hier geht es in einem ersten Schritt „nur“ um die Planung einer (Doppel-)Stunde.

Womit fängt man nicht an?

Mein Problem zu Beginn des Referendariats war, dass im Kern- oder Schulcurriculum verbindliche Inhalte stehen, die bereits einen mehr oder minder großen Rahmen bieten. In Politik und Wirtschaft muss man zum Beispiel den Bundestag, die Parteien oder den Bundesrat besprechen. Für Schüler* meist suuuuper spannende Themen. Mit dieser Vorgabe ist dann total verlocken das Schulbuch aufzumachen und das Kapitel „Bundestag“ in der nächsten Stunde zu lesen und die Aufgaben zu bearbeiten. Das wird den Schülern* wahrscheinlich total Spaß machen.

Neben der Planung vom Inhalt her, ist auch ein Klassiker das Planen vom Material aus. „Ich habe doch noch das coole Video von Extra3 zum Bundestag. Damit mache ich was.“ Nicht jedes Material passt aber auf jede Klasse.

Das Problem dieser Denkweisen ist das man die Schüler* dabei außen vorlässt. Das können auch gute Stunden werden, aber werden es meistens nicht.

Wie geht es also?

Unterricht muss von innen nach außen geplant werden. Die allererste Frage muss lauten: „Was möchte ich in dieser Stunde erreichen?“ oder anders formuliert „Was ist das Lernziel dieser Stunde?“ Diese Lernziele können dann verschiedenen Kriterien genügen, sollten aber immer ein Problem sein an dem die Schüler* sich reiben können. Um beim Thema Bundestag zu bleiben, hier ein paar Ideen zu Problemen rund um den Bundestag, angedockt an verschiedene didaktische Prinzipien.

Schüler*bezug

Oft interessieren sich die Schüler* für bestimmte (Teil-)Themen, die man in den Vordergrund stellen kann. Die Schüler* fühlen sich so direkt ernster genommen und haben durch den Bezug eine höhere Motivation. Wofür sich die Schüler* interessieren findet man entweder im LSG oder in einer Eingangsdiagnose raus. Manchmal muss man die Themen etwas Biegen, aber das kann sehr gewinnbringend sein. Auch über die Architektur des Reichstages kommt man zu den Aufgaben des Bundestags, indem man die Raumstruktur analysiert und sich dann überlegt wieso man so viele Räume braucht.

Aktualitätsbezug

Manchmal hilft einem auch der Zufall oder der Zeitpunkt. Gerade erst hat sich der neue Bundestag konstituiert, dabei wurde ein AfD’ler nicht als Stellvertreter gewählt. Darüber kann man die Aufgaben des Bundestags erarbeiten (Analysekompetenz) und am Ende dann noch den Kindergarten dieser Wahl diskutieren. (Urteilskompetenz)

Kontroversität

Der neue Bundestag hat mehr Mitglieder als je zuvor, was an den Ausgleichsmandaten liegt. Man kann zur Diskussion stellen, ob das eine gute Sache ist. In dem Fall ist es dann sogar noch aktuell. (Urteilskompetenz)

 

Die Schüler* werden so deutlich mehr motiviert als mit einer Stunde a la Heute machen wir die Aufgaben des Bundestages. Die Aufgaben des Bundestags werden trotzdem thematisiert, aber sie werden in ein Problem eingebettet. Nicht jede Stunde kann und muss natürlich allen didaktischen Prinzipien genügen. Dennoch: Erst wenn die Lernziele ausgearbeitet sind, kann die Suche nach Material beginnen und auf Basis der Materialauswahl kann dann auch die Methode gewählt werden.

Ich persönlich finde es vor allem am Anfang sehr wichtig, dass die Stunde rund ist und nicht noch 10 Minuten am Anfang der nächsten Stunde nachgeholt werden müssen, weil mit zuviel geplant wurde. Lieber mit weniger planen und dafür einen Puffer eingeplant haben. Vor allem am Anfang neigt man dazu die Zeit falsch einzuschätzen. Das muss man erst lernen und wird auch mal schiefgehen. Auch davon geht die Welt nicht unter.

Meine Beschreibungen sind sehr von der Analyse- und Urteilskompetenz (und dem Stoff) her ausgegangen. Es kann natürlich aber auch Lernziele im Bereich der Methoden- oder der Sozialkompetenz geben. In eurem Fach heißen die Kompetenzen vielleicht (leicht) anders, aber ich hoffe es wird klar was damit gemeint ist.

Update:

Der gute Bob Blume hat am gleichen Tag einen wesentlich ausführlicheren Artikel dazu geschrieben und dazu auch die Meinung von Fachseminarmitgliedern* eingeholt

Der Autor

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