Gebt Kinder Technik

Allgemein

Medienkompetenz, eines dieser Schlagwörter unter dem sich alles und nichts zusammenfassen lässt. Die kommenden Generationen müssen unsere Technik irgendwie meistern und weiterentwickeln. Nicht nur wir, die wollen, dass unsere Kinder mal den Netflixaccount für uns managen, sondern auch die Wirtschaft möchte gut ausgebildete und technikaffine, zukünftige Arbeiter_innen haben. Ich denke kaum jemand möchte nicht, dass eine Gewisse Kompetenz beim Technikumgang vorherrscht.

Zwei zentrale Fragen stehen dabei im Vordergrund:
+ Was müssen die Kinder im Bereich Technik und Internet lernen?
+ Wie lernen sie das dann am besten?

Oft wird die Schule als Ort und Themensetzer ins Spiel gebracht. Man könnte einen Informatikunterricht einführen. Im Informatikunterricht könnte man dann Programmieren, Datenschutz, Internet und all den stuff machen. Man könnte das auch dezentral in den Fächern oder über Arbeitsgemeinschaften (AGs) organisieren. Man könnte den Schüler_innen Tablets oder PCs geben und dem Kollegium sowieso. Ich will diesem Weg auch seine Berechtigung nicht absprechen. Schule muss das thematisieren und Schule muss besser ausgestattet werden. Dennoch, wenn ich an meine Sozialisation mit Technik zurückdenke, und ich glaube, dass ich für Nerds da draußen gar keine so große Ausnahme bin, dann ist das der nur ein möglicher Weg.

Ich habe durch ausprobieren gelernt meinen PC zu bedienen. Ich weiß wie man ein Windows installiert, weil ich Windows 95, 98 1. & 2. Edition und Windows Me bestimmt hundertmal neu aufsetzen musste. Meistens war es meine Schuld, ich hatte irgendwas kaputt gemacht und musste das fixen. Wegen dieser frühen Berührungspunkte bin ich auch auf ein berufliches Gymnasium mit Fachrichtung IT gegangen
Ich hatte also Technik und ich musste sie selbst reparieren.

Jetzt kommt natürlich das Standardargument des Geldes. Technik kostet Geld. Oft sogar sehr viel Geld. Ich tippe diese Zeilen auf einem 5 Jahre alten PC, dessen Monitorgehäuse nur noch von Panzertape zusammengehalten wird. Ich tue das nicht weil ich da Bock drauf habe, sondern weil ich mir keinen neuen leisten könnte. Trotzdem habe ich in meiner Technikkiste noch einen weiteren alten Laptop, 4 alte Digitalkameras, 2 alte Smartphones, diverse alte Mobiltelefone und Kabel und ohne Ende Kabel. Ich habe die Sachen aufgehoben, weil ich sie ja nochmal irgendwann brauchen könnte. Aber denkt mal drüber nach, eher nicht.

Meine Freundin kam die Tage auf die Idee, dass wir eine der alten Kameras unserem 4 jährigen Sohn geben könnten. Die Dinger sind quasi nichts mehr wert, weil jeder eine alte Digicam zu Hause hat und wir haben dann immer noch drei sinnlos zu Hause rumliegen. Warum sollte ich sie nicht meinem Sohn geben? Er lernt damit vielleicht zu fotographieren, aber auf jedenfall hat einen Heiden Spaß mit dem Ding. Das könnte seine Einstiegsdroge sein. Er lernt jetzt nebenher den Umgang mit Technik. Irgendwann will er die Bilder selbst auf einen PC bringen und dann an Freunde verschicken oder bearbeiten. Das ist ein Momentum das unbezahlbar ist.

jonas

In einem Jahr oder so bekommt er ein altes Smartphone. Nicht weil er damit telefonieren oder ins Netz soll, sondern weil das sein Mediengerät sein wird. Er kann dann damit endlich seine CDs hören ohne die CDs zu zerkratzen, er kann Fotos mit dem Ding machen, seine Stimme aufnehmen und bearbeiten, spielen, Musik erstellen und was weiß ich noch alles.

Ja, mein Sohn und ich sind privilegiert. Wahrscheinlich hat nicht jeder so viel Technik zu Hause rumliegen wie ich. Wir haben so viel Elektroschrott und alte Technik, da müsste doch für alle Kinder etwas dabei sein? Bei uns läuft das jetzt so. Eine zweite Cam von uns geht an den Cousin von Jonas und die anderen zwei? Wieso eigentlich nicht an die Kindergartengruppe geben? Die können damit bestimmt mal ein lustiges Fotoprojekt machen.
Habt ihr Technik im Keller, der Schublade oder im Schrank, die ihr unbedingt aufheben wolltet und dann doch nie benutzt habt? Gebt sie euren Kindern, euren Enkeln, den Kindern eurer Freunde oder spendet sie an einen Kindergarten. Lasst sie basteln und bauen und Fehler machen. Besser mit dem Schrott, als ihrem ersten iPhone. 😉

Der Autor

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