5 Tipps das Referendariat zu überleben

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Bildung und Schule

Vor wenigen Wochen habe ich meine zweite Staatsexamensprüfung abgelegt und bestanden. \o/ Ich möchte euch mit diesem Beitrag meine Überlebenstips mitgeben. Vielleicht helfen sie euch ja.

Kritikfähigkeit

Beginnen mir wir mit einem unbeliebten Thema.

Ausbilder sind nicht an allem schuld.

Meistens sind Ausbilder einfach Lehrkräfte mit wesentlich mehr Erfahrung und Wissen. In den allermeisten Fällen wollen sie uns Referendaren sogar helfen zu lernen und zu guten Lehrkräften zu werden. Natürlich gibt es schwarze Schafe, aber kann man denn nicht von jedem etwas lernen?

Außerdem muss man anmerken, dass wir Referendare dazu neigen uns zu überschätzen zu Beginn unserer Karriere noch nicht alle Fähigkeiten, die wir uns selbst zutrauen, auch wirklich besitzen. Auch, wenn man bereits Lehrerfahrung als Vertretungslehrkraft hat:

Eine Stunde für einen Unterrichtsbesuch zu durchdringen und eine Stunde für normalen Unterricht zu halten sind zwei verschiedene paar Dinge.

Jeder kann noch etwas im Referendariat lernen.

Natürlich würde auch ich mir eine andere Form des Referendariats wünschen. Die Art Noten zu geben und die Benotungssituationen sind meiner Meinung nach weder optimal noch besonders zielführend. Eine Begleitung und Beratung, ein kollegiales Lernen und eine damit verbundene Bewertung würde allen helfen. (Aber wie machen wir denn dann das Listenplatzverfahren? 🤯) Die Welt sieht im Moment leider anders aus.

Für uns Referendare gilt daher erstmal konstruktive Kritik anzunehmen und daraus eigene Schlüsse zu ziehen. Das ist eine Schlüsselfertigkeit von Lehrkräften.

Die Schuld auf andere zu schieben oder das System zu verteufeln kann einem bei der Stressbewältigung helfen und eventuell das Selbstwertgefühl steigern, aber hilft nicht dabei zu einer besseren Lehrkraft zu werden. Kritik anzuhören, die eigenen Schlüsse daraus zu ziehen und damit zu arbeiten, hilft aber sicherlich eine bessere Lehrkraft zu werden.

Organisation

Organisation ist für mich DAS Schlüsselproblem der meisten Referendare. Aus fehlender Organisation resultieren Stress, Zeitknappheit und am Ende schlechter Unterricht. Organisation ist für mich in zwei Bereiche zu unterteilen. Zum einen geht es um das große Ganze (Jahresplanung) und zum anderen um das klein-klein (Stundenplanung, Korrekturzeiten etc.).

Mein Tipp:

Setzt euch am Anfang des Schuljahres mit einer Tasse Kaffee / Tee hin und plant einmal grob durch. Die wichtigsten Fragen sind erstmal:

  • Wieviel Wochen hat das erste Halbjahr.
  • Wieviel Tage fallen aus? (Feier- und Brückentage, Klassen- und Kursfahren, Projektwochen, Austausch, Betriebspraktika oder -simulationen)
  • Wann werden die Zeugnisse an meiner Schule ausgegeben?
  • Wieviel Lernkontrollen/Arbeiten/Klausuren muss ich schreiben?
  • Wieviel Themen stehen im Curriculum/Rahmenplan/Lehrplan für dieses Schuljahr?

Wenn ich weiß wieviel Wochen ein Halbjahr hat und wieviel Tage ausfallen, dann habe ich die Anzahl der effektiven Unterrichtswochen. Bei 18 effektiven Unterrichtswochen kann man dann planen wieviel Wochen man pro Thema ungefähr veranschlagen muss. Vielleicht noch einen Puffer von ein oder zwei (Doppel-)Stunden einrechnen. Oft gibt es Vorschläge in Lehrplänen, oft sind die aber auch utopisch. In PoWi waren im Lehrplan oft 6 Wochen mehr veranschlagt, als man dann wirklich zur Verfügung hat. Das kann einem am Ende des Schuljahres dann ein Bein brechen.

Wenn man die Wochen pro Thema veranschlagt hat, dann kann man die Lernkontrollen terminlich festlegen oder evtl. plant man auch vom Klausurtermin aus mit einem Thema fertig zu sein. Beides ist möglich. Ich mache dann direkt einen Themenverteilungsplan für den Zeitraum bis zur Lernkontrolle oder zumindest bis zu den Ferien. Wenn ich die Klasse / den Kurs kenne, dann ist das natürlich schon wesentlich spezifischer, weil ich meine Fördervorhaben schon kenne. Ansonsten existiert lediglich eine ganz lose eine Reihenfrage und schon angedachte Stundenfragen. Das sieht ungefähr so aus.

Unterrichtsplanung

Ich persönlich habe im Referendariat immer mindestens 2 Tage im Voraus den Unterricht geplant. Besser gefühlt habe ich mich, wenn ich die gesamte Woche bereits am Wochenende geplant hatte. Das ist aber Geschmackssache.

Zumindest wusste ich aber immer, wann ich was machen muss.

Dazu helfen ToDo-Apps wie Todoist oder Things und ein Kalender. Dort habe ich hinterlegt wann ich welche Stunden zu planen habe, wann ich korrigieren will und wann ich Freizeit habe. Zu diesem Thema werde ich nochmal etwas separat schreiben. Julian Wagner hat dazu aber auch einen schönen Artikel zur Organisation mit OneNote geschrieben, der mir sehr geholfen hat.

Stressmanagement

Es ist egal wie sehr man organisiert ist und wie sehr man auf seine eigene Gesundheit achtet, irgendwann kommt die Situation in der man gestresst ist. Mit diesen Situationen muss man umgehen können. Jeder muss da für sich die beste Lösung finden.

Sport ist definitiv ein Aspekt, der sehr vielen Menschen dabei hilft weniger gestresst zu sein. Sport hilft dabei nachweislich Stress abzubauen und zu beruhigen.

Meditation ist auch einen Weg sich mit Stress auseinanderzusetzen. Meditation hat in Deutschland irgendwie einen schlechten Ruf, aber man kann auch ohne den ganzen esoterischen Unterbau meditieren und die nachgewiesenen Vorteile für sich nutzbar machen. Ich empfehle dafür immer die App Headspace, wenn man sich in das Thema einlesen möchte, dann bietet sich Meditation für Skeptiker am.

Sich Auszeiten zu nehmen, egal wie stressig es ist, ist extrem wichtig. Der Körper kann nur x Menge an Stress bewältigen und manchmal muss man auch einfach mal einen Tag “blaumachen”, egal wie viel noch zu tun ist. Am besten plant man diese Tage direkt in die Organisation auch mit ein, dann weiß man nämlich, dass man trotzdem alles schafft und man kann dann wesentlich besser entspannen.

Auszeiten sind auch die Netflix-Marathons am Abend oder am Wochenende oder mal mit dem Partner einen trinken zu gehen. Vor dem Examen habe ich ganz bewusst einen Bierbraukurs gemacht oder war bei den #edupnx auf einer Fortbildung.

Verabschiedung vom Perfektionismus

Keine Stunde ist perfekt.

Niemand erwartet von Referendaren, dass man nur perfekte Stunden hält. Man geht ganz automatisch aus ganz vielen Stunden raus und denkt sich “F-U-C-K, was war das denn?” Davon darf man sich nicht stressen lassen! Fehler und Schwierigkeiten gehören zum Lernprozess dazu!

  • Blätter dürfen mal nicht gelocht sein.
  • Man darf auch mal zu spät kommen.
  • Arbeitsblätter dürfen auch mal schlecht kopiert sein.
  • Man darf mal die Kreide vergessen.
  • Auch ein Unterrichtsbesuch darf mal schiefgehen!

Lehrer sind auch nur Menschen. Referendare sind auch nur Menschen.

Verabschiedet euch von Perfektionismus und akzeptiert die Welt wie sie ist. Das stresst euch weniger und macht euch das Leben einfacher.

Wirklich niemand hat einen Vorteil davon, wenn ihr bis nachts um 3 zu Hause sitzt und Blätter stanzt und locht und anmalt und keine Ahnung was noch alles. Ihr seid morgens müde, gestresst und werdet krank. Auch die Leistungs- sowie Belastbarkeitsgrenze sinkt.

Unterstützung suchen und annehmen

Mein größter Fehler zu Beginn des Referendariats war es mir keine Hilfe zu suchen. Durch kollegialen Austausch kann man nur profitieren. Die jungen Kollegen helfen einem durch die UBs und die älteren Kollegen helfen mit der pädagogischen Erfahrung. In Sachen Unterstützung können euch alle Kollegen helfen, auch die fachfremden. Vor allem wenn es um die pädagogischen oder organisatorischen Dinge geht, ist das Fach ganz oft egal. Viele Kollegen helfen euch gerne mit den Entwürfen, tauschen mal eine Stunde oder verteidigen euch in den Nachbesprechungen. Man kann diese Hilfe gar nicht hoch genug bewerten.

Nebenbei bemerkt, das Sekretariat, die Hausmeister und die Putzkräfte sind eure Freunde! Schulen werden eigentlich nicht von den Direktoren geleitet, sondern von diesen Personen. Im Zweifel kennen die nämlich den Trick die Tür im Keller aufzumachen oder wissen wie man an die Dokumentenkamera kommt.

Im Zweifel wurde dieser Beitrag über im Internet gefunden, wahrscheinlich sogar über ein soziales Netzwerk. In diesen findet man engagierte Kollegen, von denen man lernen und mit denen man sich austauschen kann. Dies funktioniert für mich am besten über Twitter. Dazu gibt es hier eine kleine Anleitung.

Es gibt aber auch viele Facebookgruppen und Blogs.

Engagiert euch

Ein weiterer Teil, der mir persönlich am Herzen liegt, ist das Engagement am Studienseminar. Das ist kein muss, sondern eher ein Plus. Ganz viele Seminare bieten an, dass die Referendare sich in der Organisation der Ausbildung beteiligen. In Hessen gibt es den Seminarrat, der zur Hälfte aus Lehrkräften im Vorbereitungsdienst und zur Hälfte aus Ausbildern besteht und Beschlüsse zum Umfang von Unterrichtsentwürfen, zu Gästeregelungen und zu Fristen et cetera fasst.

Neben den offensichtlichen Vorteilen, die dieser Austausch für Ausbilder und LiV hat, lernt man hier auf einer ganz anderen Ebene die Ausbilder kennen. Das kann nur von Vorteil sein.

Ich hoffe, dass ich euch helfen konnte und drücke euch allen die Daumen für Unterrichtsbesuche und Lehrproben.

Der Autor

Ich leite den Laden hier.

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